Mann aus der Übung

- Ein Mann und eine Frau finden sich sympathisch, kommen sich näher, bis kein Kleidungsstück mehr zwischen sie passt, und gründen eine Familie. Zumindest im so genannten Abendland ist das unnötig kompliziert geworden. Das zumindest findet US-Künstlerin Miranda July, die in ihrem Regiedebüt einen berückend klaren Blick auf die Merkwürdigkeiten wirft, die mittlerweile den Weg von einem Menschen zum anderen verstellen.

Die Geschichte ist denkbar einfach: Ein Mann (John Hawkes) und eine Frau (Miranda July) finden sich attraktiv und gehen miteinander aus. Aber der geschiedene Vater zweier Kinder ist ein bisschen aus der Übung und hat Bedenken angesichts der Dinge, die da kommen könnten. Intimität, körperliche Nähe, Sex - all das macht ihm Angst. Er hat es sich in seinem geregelten Dasein als Einzelgänger bequem eingerichtet und zieht im Zweifel die bekannte Langeweile der unbekannten Zweisamkeit vor. Die junge Dame wiederum findet das zunächst befremdlich, beschließt aber dann, den Herren wieder zu einem brauchbaren Mitglied der Gesellschaft zu erziehen.

Das Leben ist zu kurz, um es mit Sorgen und Ängsten zu verschwenden. Diese ebenso einfache wie positive Botschaft wird immer wieder eingestreut. Neben der reichlich eigenwilligen Romanze zeigt Regisseurin July aber auch, für eine Anfängerin verblüffend virtuos, beiläufig andere Schicksale, die alle vage mit den Hauptfiguren verbunden sind. Diese wunderschön ineinander verwobenen Episoden sind das Herz dieses kleinen, unwiderstehlich sympathischen Films. Ein lebensbejahender Seufzer der Verzweiflung auf Zelluloid.

"Ich und du und alle, die wir kennen"

mit John Hawkes, Miranda July

Regie: Miranda July

Sehenswert

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