Marco Kreuzpaintner plant Kinofilm über Fassbinder

Der Regisseur Marco Kreuzpaintner (Â"KrabatÂ", Â"Trade - Willkommen in AmerikaÂ") dreht den ersten großen Spielfilm über das Leben von Rainer Werner Fassbinder.

Zurzeit arbeite er zusammen mit dem Fassbinder-Freund Harry Baer ("Schlafen kann ich, wenn ich tot bin") am Drehbuch für den Kinofilm, sagte der 31-jährige Kreuzpaintner der Deutschen Presse-Agentur dpa.

"Ich habe mich einfach gefragt, wie es sein kann, dass der für uns bedeutendste deutsche Regisseur nach dem Zweiten Weltkrieg selbst noch keine filmische Würdigung erfahren hat", erklärte Kreuzpaintner. "Ich will diesen wahnsinnig getriebenen Mann zeigen, der talentierter war als alle anderen zu seiner Zeit - einen Mann, der in so einem spießigen Land wie der Bundesrepublik der 70er und 80er Jahren dafür gesorgt hat, dass der deutsche Film zum ersten Mal wieder international beachtet wurde."

Ein Fassbinder-Darsteller ist schon gefunden: "Es gibt einen bekannten, jungen deutschen Schauspieler, der mir für die Hauptrolle zugesagt hat - mehr kann ich noch nicht verraten", sagte Kreuzpaintner. "Er spielt den jungen Fassbinder von 17 Jahren bis zu dessen frühem Tod 1982 mit 37." Er arbeite für den Film eng mit der Rainer Werner Fassbinder Foundation mit Juliane Lorenz an der Spitze zusammen.

Um den Film so authentisch wie möglich zu machen, will Kreuzpaintner auch Kontakt zu Fassbinder-Schauspielern wie Hanna Schygulla, Ingrid Caven, Irm Hermann und Günter Lamprecht aufnehmen, aber auch zu seinem damaligen Kameramann Michael Ballhaus. Ob einige von ihnen im Film auch selbst mitspielen, sei noch offen. Mit dem 60-jährigen Baer, Schauspieler, Produzent und Autor, ist Kreuzpaintner schon seit 10 Jahren befreundet. Die Dreharbeiten sollen im nächsten Jahr beginnen.

"Es wird ein großes Biopic, obwohl ich diesen Ausdruck nicht mag. Erzählt wird aus der in weiten Strecken für viele noch unbekannten Jugendzeit von Fassbinder, die er hauptsächlich in Köln verbracht hat. Der Bogen spannt sich dann bis zu seinen großen Münchner Tagen und seinem getriebenem Untergang", erzählte Kreuzpaintner.

"Fassbinder soll ausdrücklich nicht dargestellt werden als der Wahnsinnige oder der Menschenvernichter, als der er von vielen beschrieben wird", erläuterte der Regisseur. "Für mich ist der Ausgangspunkt die Fassbinder-Äußerung: "Ich will doch nur, dass ihr mich liebt", die er auch zu einem Filmtitel gemacht hat. Diese große Liebessehnsucht Fassbinders - die sich teils auf ganz perverse Art geäußert hat, in seinen Werken aber auch auf ganz wunderschöne Weise - das ist Thema meines Films."

Kreuzpaintner geht noch weiter: "Der Film soll Fassbinder zu der Liebe verhelfen, nach der er sich immer so gesehnt hat", meinte der Regisseur. "Auch wenn heute immer alle Fassbinder als einen der ganz Großen zitieren - man darf nicht vergessen, dass er zu seiner Lebzeit einer der meistdiskutierten, aber auch gehassten Menschen war. Er war alles andere als geliebt." Und: "Er war ein guter Seismograph für die im Deutschtum immer noch existierende latente selbstzerstörerische Kraft. Er selbst war ein ganz großer Lustmensch - jemand, der säuft, fickt, Drogen nimmt, raucht und laut ist." Er selbst fühle sich "diesem Lust zugewandten und das Leben in sich aufsaugenden Menschen sehr nahe", sagte Kreuzpaintner. Heute sei die Kulturlandschaft viel ärmer. "Große schillernde Persönlichkeiten, die auch noch etwas auf dem Kasten haben" gebe es eigentlich gar nicht mehr.

Kreuzpaintners aktueller Film "Krabat" mit David Kross in der Titelrolle startet am 9. Oktober in den deutschen Kinos.

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