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Marsch durch die Apokalypse

- Nach "United 93" ist Oliver Stones Film "World Trade Center" das erste Hollywood-Werk, das direkt auf den 11.9.2001 eingeht und bestimmte Episoden jenes Tages zeigt. Als besonders guter Seismograph für gesellschaftliche Strömungen hat sich die Filmindustrie dabei übrigens nicht entpuppt, nur vergleichsweise läppische 65 Millionen Dollar hat der Film in den USA eingespielt - gerade einmal seine Produktionskosten.

Stone zeigt die ersten Minuten der New Yorker Attentate aus der Perspektive mehrerer Polizisten, die die Zwillingstürme evakuieren. Den Anfang des Films dominiert ein mit Stone-typischer Hysterie glänzend inszeniertes Chaos. Nach 20 Minuten bricht der erste Turm über dem von John McLoughlin (Nicholas Cage) geführten Team zusammen. Und nun dreht sich der Film um 180 Grad und wird zum Kammerspiel. McLoughlin und sein Kollege Will Jimeno (Michael Peña) haben als Einzige schwer verletzt in den Trümmern überlebt, doch noch sind sie unter meterhohem Schutt begraben.

Honiggelbes Licht aus der Margarine-Werbung

Im Gegensatz zu allen bisherigen Stone-Filmen ist "World Trade Center" bis auf den Auftakt filmisch völlig uninteressant und langweilig. Man weiß schon vom Plakat, dass dieser Film von den beiden letzten lebend geborgenen Menschen erzählt, seine Helden also überleben. Zumeist ist die Leinwand fast dunkel, und man sieht die Köpfe zweier bewegungsloser Männer, die schreien, weinen, stöhnen, stammeln, wieder schreien. Was da geredet wird, sprengt nie die Konventionen eines unterdurchschnittlichen Hollywooddramas und ist nur damit zu rechtfertigen, dass es vielleicht den Tatsachen entspricht. Trotzdem wirken diese Männer nie glaubwürdig, sondern wie Ideologie- Roboter, die aufsagen, was ihnen ein Autor in den Mund gelegt hat. Sie erinnern sich an ihre Frauen und Kinder.

Diese Flashbacks taucht Stone in jenes honiggelbe Licht, das man aus der Margarinewerbung kennt -genau der entspricht auch die emotionale Kraft solcher Szenen, in denen etwa McLoughlin seinem Sohn erklärt, wie man eine Laubsäge benutzt. McLoughlin und Jimeno teilen auch ihre Nahtoderlebnisse, und Jimeno erscheint im Fieberwahn gar Jesus -leibhaftig mit Strahlenkranz und Wasserflasche. Ansonsten sagen sie Sätze, wie sie in Hollywood alle Mainstream-Helden sagen: "Ich weiß, wir werden es schaffen." Damit all das nicht zu öde wird, kontrastieren diese Szenen mit Bildern der bangenden Angehörigen, die Sätze sagen wie: "Er muss durchhalten."

Nur bizarr wirkt auf einen europäischen Zuschauer ein Nebenstrang, der in der Mitte des Films einsetzt: Er kreist um -eine "wahre" Episode -Dave Karnes (Michael Shannon), einen Ex- Marine mit christlich-fundamentalistischen Überzeugungen aus Connecticut. Zwar findet Karnes Zeit, umsich einen soldatischen Kurzhaarschnitt zuzulegen, dann zieht er seine Uniform an und fährt nach New York, weil ihm "Gottes Stimme eine Mission befahl". Dort wird er über die rauchenden Trümmer stapfen und die Verschütteten finden.

Der Abspann informiert, dass Karnes sich wieder als Marine verpflichtete und derzeit im Irak eingesetzt ist. So feiert der Film auf simpelste Weise Familie, Patriotismus und Gottesglauben und weitere angeblich unpolitische, scheinbar "einfache Wahrheiten". Stone erzählt eine klassische christliche Erweckungs- und Wiederauferstehungsgeschichte, an deren Ende Amerika aus der Katastrophe neu geboren wird. Der Nachspann enthält die Widmung: "Für die gefallenen Männer"-als ob schon die Opfer des 11. September nicht mehr Zivilisten, sondern bereits Soldaten in einem Krieg gewesen wären.

Nicht nur ein Wahnsinnskitsch also, sondern der Marsch durch die Apokalypse, umdefiniert als Voraussetzung des Besseren. Früher nannte man so etwas Propaganda. (Ab morgen in München: Mathäser, Maxx, Royal, Autokino, Cinema i.O., Museum i.O.)

"World Trade Center" mit Nicholas Cage, Michael Peña

Regie: Oliver Stone

Unerträglich *

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