Maulkorb für die Kritiker

- Noch ein Krieg der Welten? Mit mehr als fragwürdigen Mitteln versuchten große US-Filmverleiher zuletzt immer öfter, die Berichterstattung über ihre Produkte zu manipulieren. Jüngstes Beispiel: Das Vorgehen der in Frankfurt ansässigen United International Pictures (UIP) im Fall von "Krieg der Welten". Nicht allein, dass man den Kinosaal bei den Vorabvorführungen für die Presse mit schikanösen Leibesvisitationen und Infrarot-Überwachung in einen Hochsicherheitstrakt verwandelte - mit rechtlich fragwürdigen Voraberklärungen sollten Kritiker überdies verpflichtet werden, keine Kritik vor Startdatum des Films zu veröffentlichen.

Normalerweise sollten die "Leiden" der Filmkritiker keine Zeile wert sein. Wenn allerdings die Bedingungen in einer Weise beeinträchtigt werden, dass sie die Arbeit der Journalisten und ihre Berichterstattungspflicht beschädigen, dann sollte die Öffentlichkeit auch darüber informiert werden, unter welchen Umständen die vermeintlich "freie" Presse arbeiten muss. Während die von übertriebenem Misstrauen geprägte Überwachung der Rezensenten bei Vorführungen - die Pirateriehysterie der Verleiher ist hierfür der Grund - vor allem störend ist, hat die genannte Voraberklärung auch presserechtliche Folgen.

"Die Umstände der Pressevorführung und die verlangte Voraberklärung sind skandalös", sagt Josef Schnelle, Vorstandssprecher des "Verbands der deutschen Filmkritik". Der hat offiziell gegen die UIP protestiert. "Dieses Vorgehen behindert die Presse bei der Ausübung ihrer von der Verfassung garantieren Rechte", heißt es in der Erklärung. Denn zur Meinungsfreiheit gehört selbstverständlich nicht nur, dass man sagen darf, was man will, sondern auch, wann und in welcher Form. "Die Verpflichtungserklärungen erscheinen mir rechtswidrig", so Schnelle, "das ist ein Knebelvertrag".Versuch der Beeinflussung

Das Ziel der Aktion scheint klar: Offenbar will die UIP Kritikern einen Maulkorb verpassen und verhindern, dass negative Kritiken über den Film vorweg erscheinen. Und man scheint Spielbergs schnell entstandenem Werk nicht über den Weg zu trauen, fürchtet Enttäuschung bei den Fans. Damit folgt der Verleih einer Tendenz, die immer mehr in der Unterhaltungsindustrie zu beobachten ist: Man versucht, die Berichterstattung zu beeinflussen und zum Teil der Marketingstrategie zu machen. Für den Journalismus scheint die Frage klar zu sein: Freiheit oder Gleichtaktung?

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