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Charly Hübner als Hausmann, der aber wieder eine Chance in seinem Beruf als Theaterregisseur bekommt.

Familie zwischen Kinderkrankheiten und Karriere

Schauspieler Charly Hübner über „Eltern“

München -Es ist mittlerweile nahezu unmöglich, den Mann nicht zu kennen, der jetzt die Hauptrolle in Robert Thalheims Kinofilm „Eltern“ übernommen hat.

Theatergänger könnten ihn schon in Berlin, Frankfurt am Main, Zürich, Köln oder mittlerweile in Hamburg auf der Bühne erlebt haben. In „Das Leben der anderen“ war er als Stasispitzel-Kollege von Ulrich Mühe zu sehen. Seit 2008 spielte er an der Seite von Anke Engelke in ihrer Show „Ladykracher“ mit. Und seit 2010 sieht man ihn regelmäßig im Rostocker „Polizeiruf“ als maulfaulen Kommissar Sascha Bukow. Im wirklichen Leben erweist sich der 1972 in Neustrelitz geborene Charly Hübner glücklicherweise als wesentlich gesprächiger.

-In „Eltern“ geht es um die moderne Familie zwischen Kinderkrankheiten und Schulproblemen, zwischen Karriere und Spätschicht. Kennen Sie die Problematik persönlich?

Na klar, rund um ein Kind gibt es immer jede Menge Termine. Vieles ist gute Planung und einfach Logistik. Ob etwas in unseren Familienablauf hineinpasst, davon hängen auch wirklich oft Zusagen ab. Schafft man das tatsächlich? Schaffen wird das? Und wenn nicht, dann nicht. Wir  kriegen  das gut hin. Es ist  ein  sehr  intensives Leben. Aber das ist genau das, was  ich  immer wollte. (Lacht glücklich.) Genau das Richtige.

-Im Film drängt sich der Alltag zu stark in den Vordergrund. Konrad kann sich zuhause nicht konzentrieren und zieht aus, um in Ruhe arbeiten zu können.

Diese Trennung von Alltag und Nicht-Alltag, die verstehe ich immer gar nicht. Denn genau das Zusammenspiel von Beruf und Familie ist doch für mich das Gesamtpaket meiner täglichen Beschäftigungen, mein Alltag also. Daher muss ich mich dieser Trennung immer ganz polemisch entgegenstemmen. Das Ganze ist eher wie ein ständig wabernder Kalender, der sich andauernd ändert, wie so eine Dalí-Uhr. Oder noch besser eine Waage. Es ist ja immer alles in Bewegung, und wenn dort etwas fehlt, muss es eben irgendwie ausgeglichen werden, damit am Ende wieder alles im Gleichgewicht ist.

-Die Figur des Konrad ist Ihnen also grundsätzlich nahe?

Eigentlich reizen mich ja immer die Bereiche mehr, in denen ich mich nicht auskenne. Als ich das Drehbuch gelesen hatte, dachte ich: In diesem Fall ist der Reiz, dass ich etwas spielen soll, womit ich mich auskennen müsste. Und ich wollte gerne mit Robert Thalheim arbeiten, den ich als Regisseur wie auch als Autor toll und interessant finde. Mit Christiane Paul bin ich seit fast zehn Jahren befreundet. Wir vertrauen uns. Die Kinder sind auch toll. Da guckst du jetzt einfach mal, was mit dir passiert.

-Und was ist passiert?

Erstaunlich war vor allem, wie lange ich gebraucht habe, um aus der Rolle rauszukommen. Ich habe das Drehbuch noch zwanzigmal danach durchgeblättert und mir überlegt, wo ich was hätte anders machen sollen. Drei Monate habe ich gebraucht. Mein Herz und mein Hirn konnten sich von diesen Szenen lange nicht lösen.

-Waren die Dreharbeiten so anstrengend?

Nein, die Arbeit mit Robert Thalheim war eigentlich genauso, wie ich es am liebsten habe. Der Regisseur soll seine Arbeit machen und mich meine machen lassen. Das sind ja zwei verschiedene Sachen. Ich kann mich nur zur Verfügung stellen, und der Regisseur soll daraus etwas Originelles, Schönes oder Sinnliches zaubern. Robert hat uns die verschiedensten Versionen spielen lassen: Comedy, ganz dramatisch, dann wieder ganz dokumentarisch. Das hat er sich alles geholt, und daraus im Schneideraum den fertigen Film erstellt.

-Und welche Version ist es schließlich geworden?

Schaun mer mal!

-„Eltern“ ist ein tolles Beispiel für den Balanceakt zwischen Ich und Wir in einer Familie.

Ich finde es wichtig, dass man das gemeinsam wuppt. Die Miete muss drin sein, dem Kind muss es gut gehen – das sind so die Prämissen, und dann kommt noch was dazu. Damit muss man sich einfach auseinandersetzen, welches Ego hat gerade das größere Problem. Das tun die beiden im Film ja auch. Da ist es eben Konrad, der nach Jahren als Hausmann wieder seine Bedürfnisse anmeldet. Mit dem Megafon.

-Bei Ihnen scheint’s zu funktionieren...

Ich glaube ja! Man muss halt wach bleiben und den Konflikt suchen. Konflikte suchen ist ja immer gut. Weil sie stärken und klären.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

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