Mein nächster Film wird stumm

- Die "singende Herrentorte" auf Abwegen? Helge Schneider überrascht mit seinem Film "Jazzclub - Der frühe Vogel fängt den Wurm" (In München: Mathäser, Maxx). Der Streifen hat neben Klamauk auch einen Hauch Melancholie zu bieten. Schneider spielt den erfolglosen Jazzmusiker Teddy. Der muss sich und seine Frau mit Nebenjobs über Wasser halten: morgens als Zeitungsausträger, mittags als Fischverkäufer, abends als "Mann für gewisse Stunden". Dann musiziert Teddy im Jazzclub - vor leeren Stühlen.

<P>Sie kehren nach sieben Jahren in die Kinos zurück. Wieso haben Sie so lange pausiert?<BR>Schneider: Kein Geld. Ne, hatte keine Lust, hatte auch viele andere Sachen zu tun. Ich hatte so 'ne Idee und hab' gedacht, jetzt mach ich mal wieder einen Film.</P><P>Wie viel Helge steckt in Teddy?<BR>Schneider: Das ist schon angelehnt an mein eigenes Leben. Ist natürlich keine Autobiografie. Ich bin Musiker, habe auch in leeren Räumen gespielt, habe auch viele Jobs nebenbei gemacht. Frau auch zu Hause - alles dasselbe. Durch seine Musik und seine positive Lebenseinstellung macht es Teddy aber nichts aus, dass er hart arbeitet.</P><P>Sie nennen Ihren Streifen einen "Jazz-Heimatfilm".<BR>Schneider: Na ja, er wurde eben in meiner Heimat Mülheim gedreht. Ich glaube, wenn wir den woanders gedreht hätten, hätten wir nicht so schöne Aufnahmen machen können. Vor allen Dingen von Passanten.</P><P>Könnte der Film in München spielen?<BR>Schneider: Ich glaube nicht. Der wäre da ganz anders geworden. Auch die Leute sind anders. Ich wollte eigentlich keine bekannte Großstadt, wollte das eher universell gültig haben.</P><P>Der Film kommt ohne Hightech aus, wirkt fast etwas melancholisch.<BR>Schneider: Ja. Ich habe das nachher alles zurückgenommen, was man mir aufdrängen wollte. Digitale Nachbearbeitung etwa, das ist jetzt alles analog. Genau wie die Musik. Wir haben nicht so viele Schnitte, sondern auch längere Einstellungen.</P><P>Einmal sind Sie alias Teddy drei Minuten lang im Bild zu sehen, wie Sie auf eine Straßenbahn warten. Sonst passiert nichts. Will Ihr Stammpublikum nicht Pointen?<BR>Schneider: Also, wenn ich diese Szene sehe, sehe ich 'nen Typen, also mich, der die Rolle spielt in dem Film, integriert in das normale Straßenbild. Ein Schauspieler integriert in die reale Welt - das ist doch ziemlich spannend! Das ist das, was ich eigentlich immer machen wollte. Der letzte Film "Praxis Doktor Hasenbein" war dagegen ein völliger Retortenfilm. Da wurde mir viel reingeredet.</P><P>Wer kann Sie noch zum Lachen bringen?<BR>Schneider: Das können viele Leute, aber nicht nur Komiker. Sondern auch normale Leute, der Hausmeister aus der Stadthalle oder so was.</P><P>Oder Fernsehen, etwa Comedy auf RTL?<BR>Schneider: Och ja, och ne. Das gucke ich gar nicht. Ich gucke gar nix. Ich guck' nur Autopsie.</P><P>Und Kino-Filme?<BR>Schneider: "Herr der Ringe" habe ich zuletzt gesehen. Das hat mich irgendwie erschlagen. Das ist mir bisschen zu viel. Eigentlich mag ich gern so alte Filme, sogar Stummfilme. Das Gequatsche geht einem ja doch schon ganz schön auf den Wecker. Ich glaube, mein nächster Film wird komplett stumm.</P><P>Das Interview führte Jan Maticek</P>

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