Meister der Schwermut

- Wie es komme, dass er immer so traurige Lieder schreibe, wird Townes van Zandt gefragt. Der Mann sieht etwas ratlos in die Kamera und antwortet schließlich, seine Lieder seien nicht traurig. Sie seien ohne jede Hoffnung. So wie das Leben. Mit dieser lakonischen Auskunft bringt van Zandt sein Werk besser auf den Punkt, als es jeder Kritiker vermocht hätte.

Diese Einblicke in eine melancholische Seele sind die große Stärke der Dokumentation von Margaret Brown, die den 1997 verstorbenen und fast völlig vergessenen van Zandt vornehmlich selbst zu Wort kommen lässt. Unendliche Stunden lang hat sie Archivmaterial durchwühlt und unter anderem unveröffentlichte Interviews mit dem Wortkargen gefunden. Der gibt sich, seinem Image entsprechend, als großer Meister des Weltschmerzes.

Wohl kaum ein anderer Musiker, der so viele Kollegen beeinflusst hat, war so erfolglos wie van Zandt. Seine Platten verkauften sich nicht, aber Stars wie Willy Nelson sangen seine Lieder und machten sie zu Hits. Eine paradoxe Situation, die van Zandt in seiner Schwermut bestätigte. Dabei verdankt die oft geschmähte Country-Musik diesem Mann unendlich viel, das macht der Film klar. Van Zandt war ein Poet im Wortsinne, der das Niveau der Texte im Alleingang hob.

So gerät der ansonsten nüchterne Kris Kristofferson geradezu in Ekstase, als er erklären soll, was die Musik von van Zandt auszeichne. Er zitiert Zeile um Zeile und schüttelt immer wieder ungläubig den Kopf. Unfassbar, dass man so viel in so wenige Worte stecken könne. Aber auch das erklärt van Zandt in gewohnter Manier: Er mache eben nicht gerne viele Worte. Wer vor diesem Film kein Fan war, ist es danach mit großer Sicherheit. Brown hat einem verkannten Genie ein Denkmal gesetzt.

(In München: Monopol.)

"Townes van Zandt"

Regie: Margaret Brown

Hervorragend

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