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Auf dem Schlachtfeld: Doss (Andrew Garfield).

Alter Ego

Mel Gibsons „Hacksaw Ridge“: Obsessiver Märtyrerkomplex

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München - „Hacksaw Ridge“ zeugt von der Besessenheit Mel Gibsons. Die Hauptfigur Desmond Doss ist sein klares Alter Ego, die Nahaufnahmen der Gefechtsszenen geradezu lustvoll.

Das muss man ihm lassen: Mel Gibson ist einer der letzten wahrhaft Obsessiven des US-Mainstreamkinos. Schon als Darsteller der Schmerzensmann vom Dienst („Lethal Weapon“, „Payback“), haben seine Regiearbeiten nur ein Thema: das Massakrieren von Männern und das Märtyrertum. Egal, ob nationalistisch („Braveheart“), religiös („Passion of the Christ“) oder anthropologisch („Apocalypto“) verbrämt – es sind im Grunde stets Fetisch-Filme.

„Hacksaw Ridge“ bedient sich der Geschichte von Desmond Doss – traumatisiert vom Alkoholismus des prügelnden Vaters, verspottet für religiöse Überzeugungen; klares Alter Ego für Gibson. Doss verweigerte im Zweiten Weltkrieg den Dienst an der Waffe – rettete aber als Sanitäter unzählige US-Soldaten, bekam die Medal of Honor. Der ganze Film wirkt wie eine Illustration zu Klaus Theweleits Theorie-Standardwerk „Männerphantasien“. Auf der Melodrama-Seite ist er klassischstes (gerade oscar-nominiertes) Erzählkino. Sobald es aber ins Gefecht geht, macht der Film einfach: Sploasch! Wird geradezu abstrakt, so lustvoll zeitlupengeil zerhackt, sprengt, fleddert, zerstäubt er die Leiber. Dabei missbraucht „Hacksaw Ridge“ reales Leid. Zum Schluss nutzt er echte Interviews mit Doss als vermeintliche Gewähr für diesen hyperkünstlichen Film, an dem nichts authentisch ist als die verklemmten Besessenheiten des Regisseurs.

„Hacksaw Ridge“

mit Andrew Garfield Regie: Mel Gibson Laufzeit: 139 Minuten

Erträglich

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Pearl Harbor“mochten.

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