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Tarantinos zweiter Western: der neue Film „The Hateful Eight“.

Merkur-Interview zum Filmstart von "The Hateful Eight"

Tarantino: „Ich glaube, ich kann alles – außer Sex“

Berlin - Vom Mann in der Videothek zum größten Kultregisseur unserer Zeit: Die Erwartungen an Quentin Tarantino sind hoch - und er mag das. Ein Interview zum Start von "The Hateful Eight".

Zu unserem Gespräch in einem Berliner Hotel begrüßt uns Quentin Tarantino in einer offenen Kapuzenjacke und einem Schlabber-T-Shirt. Sein fast kindlicher Enthusiasmus wirkt ansteckend: Der 52-jährige Starregisseur gestikuliert leidenschaftlich und redet dabei so schnell wie eine Maschinenpistole.

Das ist ja ein Haufen hasserfüllter Halunken, die Sie da in „The Hateful Eight“ in einen Raum sperren...

Ja, mit den „Glorreichen Sieben“ haben diese Typen wirklich nichts gemeinsam! Mir gefiel die Idee, einen Film zu drehen, in dem es keinen Helden gibt, sondern nur lauter üble Schurken, denen man keine Sekunde lang trauen kann. Als Zuschauer weiß man nie, wer lügt und wer nicht. Im Prinzip ist das mein bisher politischster Film.

Inwiefern?

Es ist eine Art post-apokalyptisches Drama, das aber nicht wie „Mad Max“ in der Zukunft in der australischen Wüste spielt, sondern im Wilden Westen kurz nach dem Bürgerkrieg. Die Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten ist noch fest in den Köpfen der Leute verankert. Heute geht es uns ganz ähnlich: Es geht eine tiefe Kluft durch die USA, und es wird sehr schwer werden, Hass und Wut zu überwinden.

Wie gehen Sie selbst mit solchen Gefühlen um?

Interessant, dass Sie das fragen, denn ich habe das Drehbuch tatsächlich zu einer Zeit geschrieben, in der ich sehr depressiv und wütend war. Mir ging es richtig beschissen. Und ich habe meinen Schmerz verarbeitet, indem ich ihn zu Papier gebracht und in diese acht Filmfiguren investiert habe.

Warum sind die Figuren in Ihren Filmen so oft von Rache getrieben? Verarbeiten Sie so Ihre persönlichen Rachegelüste?

Meine eigene Rachsucht hält sich in Grenzen. Im realen Leben ist das Verlangen nach Vergeltung eine ziemliche Dummheit – wie ein finsterer Wald, in dem man sich leicht verirren kann. Aber im Film ist Rache etwas Großartiges. Nichts packt mich im Kino mehr als der Moment, in dem der Held seine verdiente Genugtuung bekommt!

Lesen Sie hier: Kultregisseur Quentin Tarantino im Portrait

Sie sind bekannt für kunstvoll choreografierte Gewaltexzesse. Hätten Sie nicht Lust, auch mal eine außergewöhnliche Sexszene zu inszenieren?

Ich mag Erotik im Film durchaus, aber nur als stiller Beobachter. Sex zu inszenieren, das ist nicht so mein Ding. Ich glaube, ich kann alles – außer Sexszenen! Es würde mich schon überfordern, einer Schauspielerin die Szene zu erklären. Zudem mag ich mir auch nicht die Blöße geben und der ganzen Welt zeigen, was mich antörnt. Denn dann müsste ich ja später wieder in Interviews darüber sprechen – und das wäre mir sehr unangenehm!

Blutbäder sind offenbar eher Ihr Ding. Können Sie auch echtes Blut sehen?

Sagen wir mal so: Ich würde mich nicht darum reißen, bei einer Operation zuzusehen, aber ich müsste auch nicht wegschauen. Ich bin weder blutrünstig noch zimperlich.

Vermissen Sie manchmal die Zeit, als Sie völlig unbekümmert in einer Videothek gearbeitet haben und niemand etwas von Ihnen erwartet hat?

Nein. Ich mag es, wenn die Leute viel von mir erwarten. Ich mag den Druck, dass jeder neue Film von mir ein neues starkes Glied in der Kette meiner Werke sein muss. Außerdem haben die Leute früher oft nur verächtlich mit den Schultern gezuckt, wenn ich ihnen einen Film empfohlen habe. Sie meinten: „Ach, dieser Typ aus dem Videoladen – was weiß der schon?“ Heute hingegen hat meine Stimme Gewicht. Schließlich bin ich Quentin Tarantino. Ich liebe das! (Lacht.)

Interview: Marco Schmidt

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