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Der US-amerikanischen Filmregisseur Michael Moore in einer Szene des Kinofilms "Where to invade next".

Utopisch-schönes Europa

Michael Moores "Where to invade next" - Wohltuend

München - Die Ein-Mann-Armee Michael Moore marschiert durch das vermeintliche Dokumentarfilm-Genre nach Europa. Er gibt sich in „Where to invade next“ optimistisch.

Man würde gern in diesem Europa leben. Ein Paradies muss es sein, so wie dieser Film es zeigt: mit starkem Sozialnetz, traumhaften Arbeitsbedingungen, kluger Bildungs- und Gesundheitspolitik, menschlicher Justiz. Nun war es immer ein Missverständnis, Michael Moore als Dokumentarfilmer zu sehen. Er war stets ein mit Kamera bewaffneter Satiriker und Aktivist. Und entsprechend keiner Objektivität verpflichtet.

Da bleibt er sich treu, wenn er nun als Ein-Mann-Armee in Länder „einmarschiert“, um deren beneidenswerteste Errungenschaften für die bröckelnden USA zu „plündern“: Leicht ließe sich nachweisen, wo sein Blick selektiv und vereinfachend ist – ja, manipulativ. Aber weniger als sonst geht es ihm um Anklage seiner Heimat. Sondern um den Aufbau einer Utopie. Er pickt Rosinen, um zu zeigen: Es geht doch!

Im Detail mag man mäkeln. Doch in der Grundhaltung ist es ein sehr wohltuender Film. Gerade, da wieder Stammesgebaren, Angst und Unvernunft in europäischen Landen fröhliche Urstände feiern, erinnert er an die aufgeklärte, demokratische Hoffnung. Ob Italiens gesetzliche Urlaubsansprüche, Portugals liberale Drogenpolitik, Deutschlands Vergangenheitsbewältigung oder Norwegens humaner Strafvollzug: Der menschlichere Weg erweist sich als der dienlichere fürs Gemeinwohl. Und all diese Errungenschaften mussten einst erkämpft werden. Gegen Widerstände, die unüberwindbar schienen – bis sie doch zusammenbrachen. Moores Film endet an den Resten der Berliner Mauer. Die man auch für die Ewigkeit gebaut glaubte. Wann immer man heute gegen Bollwerke des Ungeistes rennt, hilft es daran zu erinnern, was an Erfolgen dagegen möglich ist.

„Where to invade next “

Regie: Michael Moore

Laufzeit: 110 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Michael Moore als Optimisten kennenlernen wollen.

Thomas Willmann

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