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Sein großer, unheimlicher Freund: Conor und der Baum-Riese, der den Buben kurz nach Mitternacht besucht.

Existentielle Alpträume

Mini-Making-Of von „Sieben Minuten nach Mitternacht“

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München - Juan Antonio Bayona glückt mit „Sieben Minuten nach Mitternacht“ eine feinfühlige Adaption des gleichnamigen Buchs.

Wer hätte da keine Albträume? Conor (Lewis MacDougall) wird in der Schule von den großen Buben gehänselt. Noch belastender für den Zwölfjährigen ist die Scheidung der Eltern. Sein Vater (Toby Kebbell) lässt sich nur selten sehen, dazu kommen die schwere Krankheit der Mutter und die strenge Großmutter (Sigourney Weaver), die sich fortan um Conor kümmert. Die ganze Welt des Kleinen scheint sich aufzulösen – und gegen ihn zu verschwören. 

Das einzig Regelmäßige sind offenbar die unheimlichen Träume, die den Buben jede Nacht heimsuchen. Doch eines Tages tritt ein Monster aus diesen Träumen in sein Leben. Immer pünktlich „Sieben Minuten nach Mitternacht“ erscheint der unheimliche Baum-Riese und erzählt Conor Geschichten. Uralt, klug und wild wird er zu Conors einzigem Freund, und durch die Erzählungen verändert sich allmählich das Leben des Buben.

Der Film „Sieben Minuten nach Mitternacht“ des Katalanen Juan Antonio Bayona basiert auf dem gleichnamigen Roman von Patrick Ness. Der britisch-amerikanische Schriftsteller hat wiederum das Skript seiner Kollegin Siobhan Dowd fertig gestellt, die ihre Erzählung wegen einer tödlichen Krebserkrankung nicht vollenden konnte. Die existenziellen Themen Liebe und Tod, Festhalten-Wollen und Loslassen-Müssen verwundern also kaum. Erstaunlicher ist die feinfühlige Art, mit der Juan Antonio Bayona das Buch umsetzt. Fantasie und Realität mischen sich sehr geschickt, Traum und Wirklichkeit Conors gleiten – auch optisch – elegant ineinander.

Mini-Making-Of des Films im Video

„Sieben Minuten nach Mitternacht“, der Kinder (ab etwa elf Jahren) und Erwachsene gleichermaßen berühren wird, entfaltet im Verlauf der Geschichte eine nahezu kathartische Wirkung. Der Regisseur, der sich bisher vor allem als Grusel- oder Action-Spezialist hervorgetan hat, überrascht dabei mit seiner subtilen, in emotionalen Momenten äußerst behutsamen Inszenierung.

Diese sanften, stimmigen Augenblicke wechseln sich jedoch ab mit arg tränendrüsigen Szenen, die den ursprünglich angeschlagenen, zarten Ton so gar nicht treffen wollen. In jenen Momenten wird auf einmal alles detailliert erklärt, was die Bilder längst gezeigt haben. Dann gerät der sonst betörend fantasievolle Film zum plumpen Heuler. Doch zum Glück überwiegen die anderen, die wunderbar warmherzigen Momente in ihrer schlichten Schönheit.

„Sieben Minuten nach Mitternacht“

mit Lewis MacDougall, Felicity Jones, Sigourney Weaver Regie: Juan Antonio Bayona Laufzeit: 109 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Pans Labyrinth“ oder „Das Waisenhaus“ mochten.

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