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Tom Cruise über seinen Höhenrausch in Dubai: „Ich hatte zuvor monatelang für diesen Stunt trainiert.“

„Mission: Impossible“, vierter Teil: Tom Cruise im Interview

München - Am Freitagabend kommt Tom Cruise nach München. Der Münchner Merkur hat schon vorab mit dem Schauspieler über das „Mission: Impossible“-Abenteuer „Phantom Protokoll“ (Kinostart: 15. 12.) gesprochen – beim Filmfestival von Dubai.

Tom Cruise kommt nach München

Wenn es um große Premieren geht, gastiert Hollywood meist in Berlin – München ist da nur zweite Wahl. Das ist am Freitag mal anders. Zur Europa-Premiere von „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ reist Schauspieler Tom Cruise mit seinen Kollegen Paula Patton und Simon Pegg sowie mit Regisseur Brad Bird an. Gefeiert wird in der BMW-Welt. Ab 15 Uhr zeigt der deutsche Motorrad-Sportler Chris Pfeiffer vor dem Südeingang spektakuläre Stunts . Von 17.30 bis 19 Uhr geben die Stars Autogramme auf dem roten Teppich. Dort dürfte es eng werden: Die Veranstalter rechnen mit hunderten Fans. Die Premiere um 20 Uhr ist nur für geladene Gäste zugänglich – am Nachmittag sollen aber vor Ort (BMW-Welt) noch Karten verlost werden.

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Hier wurden auch die atemberaubendsten Szenen des Films gedreht: am Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt, das wie eine schicke Space-Nadel mitten aus der Wüste 828 Meter hoch in den Himmel ragt. Beim „M:I4“-Dreh hing Tom Cruise höchstpersönlich in schwindelerregender Höhe. Im 124. Stock des Burj Khalifa, von dem aus man auf die anderen Wolkenkratzer Dubais herabblicken kann, treffen wir den 49-jährigen Ehemann von Katie Holmes zum Gespräch.

Sie haben sich auch bei diesem Film nicht davon abbringen lassen, besonders gefährliche Stunts selbst zu übernehmen. Sind Sie ein Adrenalin-Junkie?

Ich bin ein Kletter-Junkie. Ich liebe die Herausforderung, und diese Art von Action macht mir einfach wahnsinnig Spaß – auch wenn ich damit bei meinen Regisseuren immer wieder für Schweißausbrüche sorge. Ich glaube, einer der häufigsten Sätze, die ich bei Dreharbeiten zu hören bekomme, lautet: „Verdammt, holt Tom da runter!“

Ihr Leinwand-Partner Simon Pegg hat gesagt: „Als ich sah, wie Tom an der Fassade des Burj Khalifa baumelte, war ich zum ersten Mal in meinem Leben heilfroh, dass ich nicht Tom Cruise bin.“ Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie hier am höchsten Gebäude der Welt über dem Abgrund hingen?

Ich hatte zuvor monatelang für diesen Stunt trainiert und war oft eine Stunde lang in voller Montur auf- und abwärtsgeklettert; wir hatten zudem mit verschiedenen Materialien experimentiert und uns am Ort genau überlegt, was machbar ist. Irgendwann war ich ganz heiß drauf, es endlich zu tun. Aber letztlich ist man doch sehr aufgeregt – es gibt eben noch einen kleinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Was ging in diesem Moment in Ihrem Kopf vor?

Ich wollte die Szene möglichst elegant aussehen lassen. Aber ich hatte nicht mit dem extremen Seitenwind gerechnet, der mich in unregelmäßigen Abständen attackierte. Erst allmählich bekam ich ein Gespür dafür, wie ich meine Füße dazu einsetzen konnte, mich zu steuern.

Wie rechtfertigen Sie denn Ihre verrückten Stunts gegenüber den Versicherungen?

Ach, deren Bestimmungen habe ich noch nie verstanden: Wenn es nach denen ginge, dürfte ich zwar jederzeit kopfüber aus einem Fenster hängen, aber niemals selbst Motorräder oder Flugzeuge steuern. In meinem ersten Sicherheitsbriefing wegen unseres Burj-Khalifa-Drehs hieß es, dass wir alle dort oben Fallschirme tragen müssten. In solchen Fällen sage ich zu meinen Leuten: „Findet einen Weg. Wir werden das durchziehen, so oder so!“

Und was sagen Ihre Frau und Ihre fünfjährige Tochter, wenn Sie vor der Kamera so waghalsige Dinge tun?

Katie und Suri waren am Set dabei, als ich außen an einem Seil hing und eine Szene drehte, in der ich mehrere Stockwerke tief stürzen sollte. Nachdem wir die Aufnahme zweimal wiederholt hatten, sagte Katie: „Okay, wir haben genug gesehen! Wir gehen jetzt shoppen! Bis heute Abend, Liebling!“

War das Zuschauen für sie zu nervenaufreibend?

Katie hat kein Problem damit. Sie ermutigt mich sogar: „Mach du ruhig deinen Job.“ Sie liebt Filme, und ich liebe es, Filme zu drehen.

Ihre Frau hat auch einmal gesagt, Sie seien völlig furchtlos. Gibt es tatsächlich nichts, wovor Sie Angst haben?

Doch: davor, irgendwo herunterzufallen. Ich habe tatsächlich nicht die geringste Höhenangst – das Hinabschauen ist also überhaupt kein Problem für mich. Aber abstürzen will ich dann doch nicht!

Im kommenden Jahr werden Sie 50. Fürchten Sie sich vor dem Alter?

Nein. Noch immer besiege ich meine Kinder beim Basketball – und wenn sie irgendwann mal besser sind als ich, werde ich mich auch darüber freuen. Unser Körper ist ohnehin bloß eine Hülle. Und vor dem Tod fürchte ich mich ebenso wenig wie vor dem Leben.

Wissen Sie schon, wie Sie Ihren runden Geburtstag feiern werden?

Ich habe vor, eine große Party zu schmeißen. Aber vielleicht klettere ich auch mal wieder an einem Gebäude herum – wer weiß? (Lacht.)

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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