Missionarin mit Fehl und Tadel

- Die unscheinbare Mary besucht die christliche Highschool "American Eagle". Sex vor der Ehe ist eine Todsünde, und auch sonst sind Mary und ihre Freundinnen überwiegend damit beschäftigt, ohne Fehl und Tadel durchs Leben zu schreiten. Als Marys Freund Brian, mit dem sie gut ein Jahr Händchen hielt, ihr gesteht schwul zu sein, erwacht der missionarische Eifer in der Sechzehnjährigen: Sie will ihn wieder auf den rechten Pfad bringen. Das hat Folgen: Brian bleibt schwul, Mary ist schwanger, und der Film wird ernst.

<P>Regisseur Brian Dannelly hat seine temporeiche Komödie "Saved!" im klassischen Highschool-Milieu angesiedelt. Doch anstatt eine weitere rosarote Teenie-Romanze im Stile von "Pretty in Pink" abzuspulen, hat er aus den gleichen Vorgaben eine pointierte, respektlose Satire gedreht, die sämtliche Genre-Standards auf den Kopf stellt. Denn sein Film, der ein exzellentes Ensemble von Hollywood-Jungstars vereint (von Susan Sarandons Tochter Eva Amurri bis zu Mandy Moore und Macaulay Culkin), setzt quasi in dem Moment ein, in dem die früheren Highschool-Süßigkeiten endeten. Da gab es den finalen Kuss - und die Abblende.<BR><BR>Hier dreht sich nun alles um die Folgen des ersten Körperkontakts zweier gänzlich unaufgeklärter Jugendlicher inmitten einer frömmelnd-bigotten Szenerie. Dannelly fängt in prägnanten Szenen voller geschliffenem Wortwitz den bizarren religiösen Wahnsinn ein, der in amerikanischen Vorstädten um sich greift - und letztlich auch dazu beigetragen hat, eine Produktion wie Mel Gibsons Jesus-Film zum Kinohit des Jahres werden zu lassen. Dass der Regisseur und Drehbuchautor dabei viel aus eigener Anschauung kannte, lässt sich aus seiner Biografie herauslesen: Der in Würzburg geborene Dannelly kam im Alter von elf Jahren in einen Vorort von Baltimore, wo er fortan die baptistische Highschool besuchte. </P><P>(In München: Mathäser.)<BR><BR>"Saved!"<BR>mit Eva Amurri, Mandy Moore, Macaulay Culkin<BR>Regie: Brian Dannelly<BR>Sehenswert </P>

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