Leben wie Rockstars: "Mistaken for Strangers"

Tom Berninger dokumentiert in „Mistaken for Strangers“ eine Tour der Band The National. Sehenswert!

Dann fällt der Satz, der schon die ganze Zeit in der Luft hing: „Du wärst nicht hier, wenn du nicht mein Bruder wärst.“ Bumm. Das kann weh tun. Doch Tom, diesem dicklichen, etwas schmuddeligen jungen Mann, der aussieht wie eine junge, bärtige Version von Tom Hanks, scheint es gar nichts auszumachen, was sein Bruder da gerade zu ihm gesagt hat. Erst viel später sehen wir Tom Berninger traurig allein dasitzen, die Kamera auf sein aufgequollenes Gesicht gehalten: „Ich weiß gar nicht, was ich hier mache.“

Die einfache Antwort: Sein Bruder Matt Berninger ist Frontmann der erfolgreichen Rockband The National und scheint sich für seinen kleinen Bruder verantwortlich zu fühlen. Drum hat er ihn als Veranstaltungstechniker mit auf Tour genommen. Für das Team ist der arbeitsfaule Tom zwar kein Gewinn – für die Zuschauer des unkonventionellen Dokumentarfilms „Mistaken for Strangers“ (so auch der Titel eines Lieds der Gruppe) aber umso mehr. Denn der sympathische Chaot ist Hobbyfilmer. Er verfolgt die Band mit seiner Kamera unentwegt und stellt alle Fragen, die ihm gerade in den Sinn kommen – und die ein Journalist nie stellen würde. Vordergründig ist es ein hautnahes Bandporträt, vor allem aber: eine berührende Erzählung über das Geschwister-Sein. Wunderbar!

Katja Kraft

Rubriklistenbild: © snacktv

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“

Kommentare