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Für diesen Witz über die Regierung in Burma wurde der Komiker Zarganar von den Machthabern für 59 Jahre ins Gefängnis geworfen.

Mittermeier-Interview zu „This Prison Where I Live“

München - Michael Mittermeier spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über den burmesischen, zu 59 Jahren Haft verurteilten Zarganar und seinen Film über den Komiker. Dieser läuft am Donnerstag in den Kinos an.

„Lass mich dein Lautsprecher sein. Außerhalb des Gefängnisses. Außerhalb von Burma.“ Mit den Worten Michael Mittermeiers endet die Doku des britischen Filmemachers Rex Bloomstein und des deutschen Comedians über den in Myanmar, dem ehemaligen Burma, zu 59 Jahren Haft verurteilten Komiker Zarganar. „This Prison Where I Live“, der das Schicksal dieses außergewöhnlichen Menschen bekannt machen will, läuft am Donnerstag in den Kinos an.

Wie kamen Sie zu Bloomsteins Film?

Anfangs ging es nur darum, ob ich als Geldgeber fungieren könnte. Nach einem Telefonat mit Rex, und nachdem ich das Filmmaterial gesehen habe, das er 2007 über Zarganar gedreht hatte, habe ich sofort zugesagt. Erst später meinte Rex: „Wir haben weltweit alle bekannten Komiker angeschrieben. Du warst der Einzige, der reagiert hat. Das sollte doch auch Teil dieses Films werden.“

Zarganar war in Burma ein Star - bis er von der Militärregierung mit Berufsverbot belegt wurde.

Der bayerische Comedian Michael Mittermeier begab sich in seinem neuen Kinofilm „This Prison Where I Live“ (Das Gefängnis, in dem ich lebe) auf die Spuren des Kämpfers für das freie Wort.

Das ist nicht nur ein einfaches Berufsverbot. Am Ende, vor der letzten Verhaftung 2007, war es verboten, seinen Namen zu nennen. Seine Bücher, Filme, Theaterstücke, Fotos - alles wurde vernichtet. Diese Verbote Zarganar gegenüber verschärften sich innerhalb der letzten zwanzig Jahre immer drastischer. Damals gehörte der beliebte und allseits präsente Zarganar mit seinen politischen Witzen zu denen, die 1989 den größten Aufstand der Landesgeschichte auslösten. Von dieser Zeit an ging das immer hin und her: Er kämpfte mit der Macht des Wortes. Die Regierung fürchtete sich davor, also wurde er verhaftet, dann wieder freigelassen. Dann gab es Berufsverbot. Das hob man wieder auf. Wieder Verhaftung. Zwischendurch durfte er arbeiten, aber nur Werbung drehen. In den letzten Jahren war ihm gar nichts mehr erlaubt. Schon gar nicht, mit ausländischen Filmemachern zu sprechen.

Während der Dreharbeiten geraten Sie und Bloomstein in Gefahr. Sie haben den Geheimdienst auf den Fersen, überleben eine Verfolgungsjagd. War Ihnen vor der Abreise klar, auf was Sie sich einlassen?

Wie groß die Gefahr ist, haben wir vorher nicht genau gewusst. Auch welche Angst wir in den letzten zwei Tagen vor unserem Rückflug hatten, dass man uns eventuell gar nicht mehr ausreisen lassen würde, das war uns zuvor nicht klar.

Könnte Ihr Film Zarganar nicht schaden?

Der Film hilft auf zwei verschiedene Arten: Einerseits ist er für Zarganar wichtig. Weil Menschen sich für ihn einsetzen. Das ist für ihn, der 20 Jahre im Widerstand war, ein Zeichen, dass sein Kampf nicht umsonst war. Vielleicht kann ihm allein das ein wenig Kraft und Hoffnung geben und ihm zeigen, dass er nicht vergessen ist. Weltweit. Er hat erfahren, dass dieser Film gedreht wurde, und hat uns eine Nachricht dazu aus dem Gefängnis geschickt: „Hope you’ll do your best.“ Das wollen wir unbedingt. Zweitens hilft unser Film, weil sich die Regierung jetzt im Licht der Öffentlichkeit sicher zweimal überlegt, was sie Zarganar antun wird. Dass man da zum Glück anscheinend gewisse Hemmungen hat, beweist ja allein die Tatsache, dass er bisher noch am Leben ist.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

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