"Mittsommernachtstango": Wer hat’s erfunden? 

Mümnchen - "Mittsommernachtstango" ist eine filmische Reise zu den angeblichen Wurzeln des Tangos. Den Kinotrailer und die Filmkritik gibt es hier.

Finnland ist nicht nur das Land der Seen und Saunen, sondern auch die Heimat des Tangos. Zumindest behauptet das der finnische Kultregisseur Aki Kaurismäki zu Beginn dieses Films. Allerdings entlarvt er sich selbst schon im nächsten Atemzug als Flunkerer: Da postuliert er, in Finnland stünde auch die Wiege des Walzers. Trotzdem begeben sich drei argentinische Tangomusiker auf einen Road Trip durch Finnland, zu den angeblich „wahren“ Wurzeln des Tangos. In der nordischen Einöde stoßen sie auf skurrile Tanzveranstaltungen, wundern sich über die uneleganten Tanzschritte der Finnen und sinnieren über Stile und Stille. Sie treffen den Allroundkünstler und Tangokenner M. A. Numminen, bekommen Gesangsunterricht von einer feschen Finnin und musizieren mit der Tangolegende Reijo Taipale.

Wer hat’s erfunden? Die Ausgangsfrage nach dem Ursprung des Tanzes wird in dieser heiter-melancholischen Hommage an den Tango nicht beantwortet, ja, sie wird noch nicht einmal ernsthaft untersucht. Denn Regisseurin Viviane Blumenschein geht es vor allem um die Begegnung zweier Kulturen, um den Gegensatz zwischen der hektischen Enge von Buenos Aires und der ruhigen Weite der finnischen Landschaft – und um die völkerverbindende Kraft der Musik.

Doch trotz des charmanten Ansatzes und der sympathischen Protagonisten wirkt der erstaunlich ereignis- und erkenntnisarme Dokumentarfilm so, als sei er nur mit Mühe auf die Länge von 82 Minuten gestreckt worden. Eine mögliche Fortsetzung („Mittsommernachtswalzer“) dürfte sich jedenfalls locker in einer halben Stunde abhandeln lassen.

Marco Schmidt

Rubriklistenbild: © snacktv

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