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Doris Day wurde als Doris von Kappelhoff geboren.

Zum 85. Geburtstag

„Ich hatte die beste Zeit“

Hollywood-Legende mit deutschen Wurzeln: Doris Day lebt heute zurückgezogen und führt ein kleines Hotel

Das bewegte Leben von Doris Day, Hollywoods fröhlichster Blondine, ist Stoff genug für ein abendfüllendes Musical. Mit der Show „A Sentimental Journey – The Story of Doris Day“ feiert das britische „The Mill at Sonning“-Theater noch bis Ende April die Schauspielerin und Sängerin, die dank ihres sauberen Sex-Appeals einst zu Hollywoods „Jungfrau vom Dienst“ erklärt wurde. Doch der Schein des Glamours trog, meint Theaterregisseur Alvin Rakoff: „Sie hat einiges erlebt und viele Tritte abbekommen.“

Day, die heute 85 Jahre alt wird, steht natürlich nicht mehr selbst auf der Bühne. Vor dem Rampenlicht ist der ergraute Star längst geflüchtet. Der letzte Filmauftritt liegt über vierzig Jahre zurück. Die Schauspielerin hat es nach Nordkalifornien in den ruhigen Küstenort Carmel verschlagen, wo sie ein kleines Hotel betreibt und sich als leidenschaftliche Tierschützerin engagiert. Vor einigen Jahren schlug sie eine Einladung nach Los Angeles zur Retrospektive ihrer größten Kinohits aus. „Ich fliege nicht“, erklärte Day damals, und außerdem wolle sie ihre Hunde und Katzen nicht alleine lassen. Mit ihrer Stiftung „Doris Day Animal League“ widmet sie sich ganz dem Schutz von herrenlosen und leidenden Haustieren.

Doch sie erinnert sich gerne an die Glanzjahre zurück: „Ich hatte die beste Zeit. Es machte so viel Spaß, aber ich lebe nicht mehr in der Vergangenheit“, resümierte Day, der einst Cary Grant, Rock Hudson und Frank Sinatra zu Füßen lagen.

Unter ihrem Mädchennamen, Doris Mary Ann von Kappelhoff, hätte es die Tochter deutscher Einwanderer im amerikanischen Show-Geschäft bestimmt nicht so weit gebracht. Doch als Doris Day – den Namen borgte sie sich von ihrem Hit-Song „Day by Day“ – eroberte das blonde Multitalent die Schlager-Hitparaden, die Herzen der Kinofans und wurde zum Kassenstar der Fünfzigerjahre. Als Teenager musste sie ihren Traum von einer Tanzkarriere nach einem schweren Autounfall aufgeben. Sie nahm Gesangsunterricht, tourte mit Jazz-Bands und machte Songs wie „Sentimental Journey“ und „Que Sera“ zu Hits.

Regisseur Michael Curtiz entdeckte ihr Schauspieltalent, und 1948 stand die Sängerin für „Zaubernächte in Rio“ erstmals vor der Kamera. In Alfred Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wusste“ und später in dem Thriller „Mitternachtsspitzen“ von David Miller bewies sie sich als Charakterdarstellerin. Hollywood nahm Day aber mit Musicals und leichten Komödien in Beschlag. Ende der Fünfzigerjahre wurden sie und Rock Hudson nach „Bettgeflüster“ als Leinwand-Traumpaar gefeiert. Mit der harmlosen Komödie verdiente sich Day ihre einzige Oscar-Nominierung. Sie setzte ihre Verführkünste auch in Filmen wie „Ein Hauch von Nerz“ und „Spion in Spitzenhöschen“ ein.

Doch im Leben hatte sie mit Männern weniger Erfolg. Mit 18 ein Kind, mit 19 die erste Scheidung, mit 27 Jahren den dritten Ehemann. Als Days Ehemann und Manager Marty Melcher 1968 starb, hatte er ihr Vermögen weitgehend durchgebracht. 1981 wurde sie von Ehemann Nummer vier geschieden. 2004 starb ihr einziger Sohn, Songwriter Terry Melcher, mit 62 Jahren an Krebs.

Ihr großer Erfolg an den Kinokassen wurde zwar nie mit einem Oscar honoriert. Vom Verband der Auslandspresse, der die Golden Globes vergibt, erhielt Day 1989 aber einen Preis für ihr Lebenswerk. 2004 ehrte US-Präsident George W. Bush die „amerikanische Ikone und Bereicherung der Kultur“ mit der Freiheitsmedaille, Amerikas höchstem zivilen Orden.

Von Barbara Munker

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