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Eigenwillig, filmbesessen: Francis Ford Coppolas Erfolg war „Der Pate“ (mit Andy Garcia und Al Pacino).

„Er hätte den Vatikan bauen lassen“

Jubiläumsgeburtstag einer Regie-Legende

Mit dem Mafia-Thriller „Der Pate“ und dem Vietnam-Epos „Apocalypse Now“ hat Francis Ford Coppola Filmgeschichte geschrieben.

Der geniale und eigenwillige Regisseur, der heute 70 Jahre alt wird, war vierzehn Mal für einen Oscar nominiert, fünf Mal holte er die Trophäe, zuletzt 1974 für das Drehbuch von „Der Pate II“.

Das ist lange her, und Coppola trauert dieser Zeit nicht nach. „Meine Herausforderung heute? Nicht noch einmal einen ,Paten‘ zu drehen“, sagte der Altmeister vor zwei Jahren, als er nach zehnjähriger Regie-Pause das Drama „Jugend ohne Jugend“ präsentierte.

Und auch mit 70 Jahren arbeitet Coppola weiter: Mit Klaus Maria Brandauer und Vincent Gallo hat er gerade seinen neuen Film „Tetro“ gedreht. Das Drama über eine von Rivalitäten und Eifersucht zerrissene italienische Einwandererfamilie läuft im Juni in den US-Kinos an. Ein Starttermin für Deutschland steht noch nicht fest. Klar ist dagegen, dass der graubärtige und beleibte Italo-Amerikaner sich längst von den großen Filmstudios und dem Erfolgsdruck an den Kinokassen losgesagt hat. Auf die vor allem negativen Kritiken zu „Jugend ohne Jugend“ und die Tatsache, dass der Film ein Flop war, reagierte er ungerührt: „Ich habe den Film gemacht, den ich machen wollte.“ Unlängst kritisierte Coppola Hollywoods Kino für die Masse als Produkte, „die keine Gedanken produzieren, die alle ähnlich sind, die kein Risiko eingehen. Als Künstler nichts zu wagen ist so, als ob man keinen Sex hat, aber trotzdem Kinder erwartet“, stichelte er.

Der in New York aufgewachsene Sohn des Musikers Carmine Coppola und der Schauspielerin Italia Coppola ist ein Multitalent, dem die offizielle Berufsbezeichnung – Regisseur, Produzent und Drehbuchautor – längst nicht mehr gerecht wird. Seit mehr als 30 Jahren betreibt Coppola im nordkalifornischen Napa Valley ein großes Weingut. Mit seiner eigenen Produktionsfirma Zoetrope kehrte er in den Siebzigerjahren Hollywood den Rücken. Auch ist Coppola Oberhaupt eines Familienclans mit vielen Filmgrößen: Tochter Sofia holte sich 2005 mit dem vom Vater produzierten Film „Lost in Translation“ einen Drehbuch-Oscar. Schwester Talia Shire und Neffe Nicolas Cage spannte er oft für seine Filme ein. Die Liebe zum Film entdeckte Coppola schon mit zehn Jahren, als er an Kinderlähmung erkrankt Monate ans Bett gefesselt war und sich Filme ansah. Später besuchte er die Filmakademie in Los Angeles, drehte mit 22 Jahren seinen ersten eigenen Film „Das gibt es nur im Wilden Westen“ und holte sich 1970 mit dem Drehbuch zu „Patton“ einen ersten Oscar. Der große Durchbruch als Regisseur gelang ihm 1971 mit der Verfilmung von Mario Puzos Roman „Der Pate“. Die Mafia-Trilogie wurde mit Preisen überhäuft. In den Siebzigern hielt seine Erfolgssträhne mit „American Graffiti“, „Der Große Gatsby“ und „Der Dialog“ an.

Dann kam „Apocalypse Now“, das aufwändige Schreckensgemälde über den Vietnamkrieg, und brachte den Regisseur nervlich und finanziell an den Rand des Ruins: Ehefrau Eleanor hielt das fast zweijährige Dreh-Drama im philippinischen Dschungel mit Marlon Brando und Martin Sheen in dem Dokumentarfilm „Ins Herz der Finsternis“ fest. Die Mühen um das Kriegs-Epos wurden jedoch mit zwei Oscars und einer Goldenen Palme in Cannes honoriert. Coppola, der einst die Rolle des Regisseurs mit einem Diktator verglich, war fortan für seine Besessenheit berüchtigt. George Lucas beschrieb seinen Freund mit dem Satz: „Francis ist der Typ, der den Vatikan hätte bauen lassen oder die Pyramiden.“

Neben seinen großen Erfolgen musste der Filmemacher privat einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. 1986 kam sein Sohn Gian Carlo ums Leben. Und beruflich gab es Misserfolge: Nach seiner teuren Musical-Inszenierung „Einer mit Herz“, die grandios floppte, musste Coppolas Firma Ende der Achtzigerjahre Konkurs anmelden. Erst nach dem dritten „Pate“-Teil 1990 schrieb der Regisseur wieder schwarze Zahlen. In den Neunzigern hatte er mit „Bram Stoker’s Dracula“ und dem Thriller „Der Regenmacher“ Erfolg. Dagegen fiel die Komödie „Jack“ mit Robin Williams, Diane Lane und Jennifer Lopez komplett durch. „Ich habe ,Apocalypse Now‘ gedreht, und prompt gelte ich als Scorsese-artiger Regisseur, und dann mache ich so einen dummen Disney-Film mit Robin Williams“, frotzelte Coppola über das Schubladendenken. „Aber ich war immer froh darüber, jede Art von Film zu drehen.“

Barbara Munker

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