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Ihre Liebe lockte in Deutschland bislang rund 2,4 Millionen Menschen ins Kino: Kristen Stewart als Bella und Robert Pattinson als Vampir Edward in „Twilight – Biss zum Morgengrauen“.

Die Krise ist auch im Kino angekommen

München - Wirtschaftliche Krisenzeiten können, aber müssen nicht goldene Zeiten fürs Kinos sein. Das ist die Erkenntnis aus der Bilanz des ersten Kinoquartals 2009 in Deutschland: Demnach ist die Besucherzahl um mehr als zehn Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr 2008 zurückgegangen, der Umsatz ist um rund sechs Prozent gesunken.

Auf das Gesamtjahr 2009 besehen kann sich das noch ändern. Doch bedarf es schon einiger echter Überraschungserfolge, um eine solche Trendwende nach diesem negativen Auftakt noch zu schaffen. Die beiden bislang erfolgreichsten Filme in den deutschen Kinos kamen aus Hollywood: Das Vampir-Melodram „Twilight – Biss zum Morgengrauen“ nach den Bestsellern von Stephenie Meyer mit 2,4 Millionen Besuchern und „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ mit zwei Millionen Besuchern. Weniger waren allerdings in beiden Fällen auch nicht erwartet worden.

Höchst ungewiss hingegen war das Abschneiden der Verfilmung des Romans „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink. Immerhin 1,7 Millionen Zuschauer haben bislang dieses Drama einer analphabetischen KZ-Wärterin gesehen. Dazu beigetragen hat sicherlich der Oscar für die famose Hauptdarstellerin Kate Winslet, aber wohl auch das deutsche Thema.

Das ist auch die Erklärung für die respektablen 1,3 Millionen Besucher von „Operation Walküre“ mit Tom Cruise in der Rolle des von den Nazis hingerichteten Widerstandshelden Graf Stauffenberg. Sowohl „Der Vorleser“ als auch „Operation Walküre“ wurden außerdem in Deutschland mit internationalen Teams produziert. Einheimische Kinofilme hatten nicht nur im vergangenen Jahr wachsenden Anteil an den Zuschauer- und Umsatzzahlen – auch im ersten Quartal setzt sich dieser Trend weiter fort.

Bereits vier deutsche Filme konnten bislang mehr als eine Million Zuschauer vermelden: „Die Buddenbrooks“, „Hexe Lilli“, „Männersache“ und – wenngleich noch wenige tausende Besucher zur Million fehlen – die neue Folge um „Die wilden Hühner“. Zwar blieben vielversprechende Streifen wie „Hilde“ oder „Effi Briest“ kommerziell unter den Erwartungen. Sie konnten jedoch immerhin mehr Besucher vermelden als zum Beispiel der mit hohem Werbeaufwand gestartete Hollywood-Flop „Der Rosarote Panther 2“, den noch nicht einmal 200 000 Kinogänger in Deutschland sehen wollten.

Bei der aktuellen Auseinandersetzung um die Finanzierung der Filmförderung hierzulande sollten die zerstrittenen Geldgeber nicht vergessen: Ohne deutsche Filme und deutsche Themen geht nicht mehr viel in den Kinos zwischen Flensburg und Konstanz. Erfolgreiche Importkost aus Hollywood ist zwar weiterhin unverzichtbar, dominiert aber die Leinwände nicht mehr so sehr wie in früheren Jahren.

Wolfgang Hübner

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