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Wolverine alias Hugh Jackman will keine Kampfmaschine mehr sein, sondern ein friedlicher Bürger.

Kritik zum Kinostart: Der vierte X-Men-Film

Regisseur Garvin Hood versucht, seinem sündteuren Kinospektakel "X-Men: Origins: Wolverine" etwas Tiefe zu geben.  

Schon beim ersten „X-Men“-Film im Jahr 2000 fiel auf, wie ambitioniert die Macher waren. Es sollte offenkundig mehr sein als einfach nur eine bunte Comic-Verfilmung. Auch im vierten „X-Men“, der nun die Vorgeschichte des Superhelden Wolverine erzählt, geht es Regisseur Gavin Hood erkennbar um mehr als nur die Aneinanderreihung von Actionsequenzen. Hood, der erstmals einen derart aufwändigen Film inszeniert, macht ein Drama daraus, in dem es um die grundlegenden Fragen des Daseins geht. Soll man sich einmischen oder lieber raushalten? Soll man rächen oder verzeihen? Ist man nur sich selbst verantwortlich, oder hat man eine Verpflichtung gegenüber der Familie, der Gesellschaft, dem Staat?

Hugh Jackman muss sich als Antiheld Logan mit all diesen Fragen auseinandersetzen, bevor aus ihm der mythische Wolverine wird. Es ist ein besonders hinterhältiger Kniff, ihn am Ende mit einem Gedächtnisverlust auf die Reise zu schicken. All die Antworten, die Wolverine für sich gefunden hat, muss er von Neuem suchen. Bei Wolverine hat das eine besondere Dimension. Er ist unsterblich, schier unverwüstlich, ebenso wie sein Bruder Victor, den Liev Schreiber lustvoll als zynisches Ekel spielt.

Beide stürmen sie blindwütig durch alle Kriege, die von den USA geführt werden. Dieser rasante Schnelldurchlauf durch ein Jahrhundert ist der eigentliche Höhepunkt des Films. Dass er am Beginn steht, ist ein dramaturgischer Fehlgriff, weil nichts Vergleichbares folgt. Schließlich erledigen die Brüder in einer geheimen Spezialeinheit voller Mutanten die blutigsten und schmutzigsten Aufträge. Hier trifft Logan seine erste Entscheidung, die den Beginn einer langen Reise zu sich selber markiert: Er quittiert den Dienst, will nicht mehr töten und zerstören. Auf dem Land lebt er mit einer Lehrerin beschaulich als Holzfäller. Den Gesetzen des Genres entsprechend nicht lange.

Der Bruder zettelt einen gewalttätigen Zwist mit ihm an. Wolverines ehemaliger Kommandeur will ihn zur Armee zurücklocken. Aber Wolverine lehnt seine brutale Seite ab. Er will Mensch sein, kein Freak, vor dem alle Angst haben. Um das zu erreichen, wird er ironischerweise das Tier in ihm entfesseln müssen, um sich von all den Dämonen zu befreien, die an ihm zerren.

Zwischendurch werden pflichtgemäß große, laute Zerstörungsorgien eingebaut, die ja ebenfalls zu so einem Filmspektakel gehören. Man merkt, dass Regisseur Hood daran keine rechte Freude hat. Das merkt fatalerweise auch der Zuschauer, dem bald auffällt, dass da zwei Dinge parallel zu begutachten sind: zum einen eine Art postmoderner Entwicklungsroman und zum anderen der Apparat einer sündhaft kostspieligen Großproduktion, bei der schon die Zweit- und Drittverwertung mit Marketing-Artikeln mitschwingen, ohne die so ein Film gar nicht mehr finanzierbar ist. Immerhin: Ein kurzer Gastauftritt von Patrick Stewart als Professor Charles Xavier tröstet ein wenig darüber hinweg. Aber nur ein wenig.

Urteil: Annehmbar, drei von fünf Sternen

von Zoran Gojic

(In München: Cincinnati, Cinemaxx, Mathäser, Münchner Freiheit, Gabriel, Royal, Cinema und Museum OV.)

 

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