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Jamal (Dev Patel) und Latika (Freida Pinto) sind endlich vereint.

Slumdog Millionaire - Kritik, Bilder und Trailer

Gleich in der ersten Szene bekommt unser jugendlicher Held eine gescheuert. Nur scheint es ihm nicht viel auszumachen. Und am Schluss weiß man auch weshalb: ein paar Schläge mehr oder weniger ins Gesicht machen für diesen Jungen keinen Unterschied.

Sein ganzes Leben lang hat er viel einstecken müssen und dabei gelernt, dass es Schlimmeres gibt als Schmerzen. Die Hiebe, die er nun von einem brutalen Polizisten bekommt, können ihn nicht von seinem Weg abbringen. Und um den Weg dieses Jungen, des Moslems Jamal aus Indiens Metropole Mumbai geht es in Danny Boyles sensationellem Meisterwerk. Die aberwitzige Grundidee des Films dient als Mittel, um dem Zuschauer etwas zu zeigen, was er sich sonst wohl kaum ansehen würde. Aber zurück zum Anfang, dem Schlag ins Gesicht. Den bekommt Jamal, weil man ihm Betrug unterstellt. In der indischen Ausgabe von „Wer wird Millionär“ hat es Jamal bis zur allerletzten Frage geschafft, ihm winken Millionen. Jamal freilich stammt aus den Slums und hat nie eine Schule von innen gesehen.

Die Bilder zum Kinostart von Slumdog Millionaire


Woher also weiß er die Antworten auf all die Fragen?
Die Polizei glaubt, weil er betrügt, der Zuschauer weiß es bald besser: es ist Schicksal. Wie in einem Krimi wird Stück für Stück aufgeklärt, woher Jamal das weiß, was er wissen musste, um weiterzukommen.
Ein raffinierter Trick, um eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Die nämlich eines Waisen, der von ganz unten kommt und versucht in der schmutzigen Welt, in der er leben muss, ein sauberes Leben zu führen.
Sein Erfolg in der Show erklärt sich aus seiner verkorksten Biographie. Jede richtige Antwort ist mit einem persönlichen Schicksalsschlag verknüpft.

Trailer von Slumdog Millionaire

Seine Glückssträhne verdankt er bitteren Erinnerungen an eine unglückliche Kindheit in Armut. Bald wird auch klar, weshalb Jamal so hartnäckig aufs Ganze geht und unbedingt zu Ende spielen will. Es geht ihm nicht um das Geld, es geht – natürlich - um die Liebe.
Nur wer verzweifelt verliebt ist, bringt soviel Willen und Wagemut auf wie Jamal, der selbst bei einer Frage zu der er ausnahmsweise keine Antwort weiß, mit Intuition weiter kommt. Er muss auf Sendung bleiben, so lange wie möglich, damit ihn seine erste, die große, die verlorene Liebe wieder sehen kann.

Das gewonnene Geld ist willkommen, wäre aber kein Grund soviel Mühe auf sich zu nehmen. Der dunkle Antipode Jamals, dessen krimineller Bruder, sieht das genau anders herum und wird ein schlechtes Ende nehmen. Mit fiebrigen Bildern, immenser Unruhe und dabei doch völlig in sich ruhend erzählt Boyle sein Märchen und das ist es selbstverständlich. Einem Film die, in sich übrigens völlig schlüssige, Anhäufung von Unwahrscheinlichkeiten ankreidet, ist allerdings leicht bizarr. Kino war noch nie etwas anderes. Der gigantische Erfolg dieser vergleichbar billigen Produktion erklärt sich ja gerade aus dem ungestümen Fabulieren, der völlig phantastischen Geschichte, von der man sich wünschte, sie wäre wahr. Kluge Kritiker haben Boyle unvermeidlicherweise kulturellen Raubbau vorgeworfen, weil er in Indien mit Laien gedreht hat, aber die Frage ist: wurden das unermessliche Elend, die Konflikte Indiens von eben diesen Kritikern je vorher aufgegriffen? Eher nicht. Und so hat Boyle sein Ziel schon erreicht. Er zeigt, wofür sich im Grunde niemand so recht interessiert. Und weil es so fulminant verpackt ist, geht der Plan auf. Es sei noch verraten, weil es ohnehin keine echte Überraschung ist, dass für Jamal alles gut wird.
Das Schicksal will es so.  

Bewertung 5 Sterne

Zoran Gojic

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