Moderne Ronja Räubertochter

München - "Der Fuchs und das Mädchen" ist ein wunderbarer Naturfilm.

Es gab viel Beifall für seinen letzten Film, aber auch harsche Kritik. Als Luc Jacquet in "Die Reise der Pinguine" die befrackten Gesellen allzu arg vermenschlichte, war das für manche Naturfilm-Fans ein Gran Sentiment zu viel. Dem Rest der großen Besucherschar brachte der Regisseur jedoch den Pol erstmals nahe - weshalb man ihm auch seine Pinguinstimmen verzeihen sollte.

In "Der Fuchs und das Mädchen" bleibt der französische Tierversteher der heimischen Fauna und Flora gewogen. Ein weiteres Plus: Kein Tier spricht. Sehr nahe ans Herz kommen sie trotzdem, die Füchse, Luchse, Wölfe, Hasen, Käfer, Mäuse und Raubvögel.

Am Waldrand lebt die rothaarige Lila mit ihrer Familie. Das etwa zehn Jahre alte Mädchen, eine hinreißende, moderne Adaption von Astrid Lindgrens "Ronja Räubertochter" , stromert wie ihr Vorbild durch die Wildnis.

Die Off-Kommentare der mittlerweile zur jungen Frau Herangewachsenen sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber eine notwendige dramaturgische Struktur inmitten der versonnenen Naturbetrachtungen. Vier Jahreszeiten lang beobachtet die Kamera das Kind und den Fuchs. Die Mühen von Darstellerin, Regisseur und Team kann man nur erahnen. Gemeinsam erleben Tier und Mensch kleine Abenteuer. Das Mädchen darf sogar nach geduldigen Wartephasen Freundschaft schließen mit dem putzigen Nachwuchs der Füchsin.

Einige Wendungen, mit der Jacquet seinen Film von einer reinen, klassischen Naturdokumentation abheben möchte, erscheinen zwar ziemlich versponnen und gelegentlich sehr unmotiviert. Aber die wunderbaren, postkartenschönen Aufnahmen trösten auch über diese Ausflüge ins Kitschig-Märchenhafte hinweg.

"Der Fuchs und das Mädchen"

mit Bertille Noel-Bruneau

Regie: Luc Jacquet

Sehenswert

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