Der Mörder mit der Kapuze

- Eine nicht mehr ganz junge, nicht mehr ganz nüchterne Frau wartet im grellen Neonlicht der Station auf die U-Bahn. Der Bahnsteig ist menschenleer. Mit stierem Blick glotzt sie ins Dunkel des Tunnels. Als sich die Lichter des einfahrenden Zuges zeigen, stößt ein Unbekannter sie aufs Gleis. In Sekundenschnelle ist alles vorbei. Nur ein roter Schuh bleibt auf dem Bahnsteig liegen.

<P>Schon die ersten Einstellungen geben den unbarmherzig-hastigen Rhythmus vor, in dem der ungarische Regisseur und Drehbuchautor Nimró´d Antal die Story seines sensationellen Debütfilms "Kontroll" erzählt. Wie gehetzt reiht er seine Szenen aneinander. In wenigen, präzise arrangierten Minuten entführt Antal sein Publikum in eine surreale, bedrohliche Unterwelt. Wie in einem Albtraum verläuft auch hier die Handlung nicht stringent, sondern bricht ab, setzt sich neu zusammen, nimmt Personen und Stimmungen aus Vor- und Rückblenden wieder auf und zitiert bereits durchlebte Emotionen seiner Protagonisten nochmals. Wie in einem Albtraum spielen Farben, Hell-Dunkel-Kontraste, gefrorene Bilder und Fratzen eine große Rolle.<BR><BR>Aus diesen Ingredienzien setzt Antal seinen meisterhaften Thriller um eine Truppe von Fahrkartenkontrolleuren in Budapest zusammen. Anführer der Clique ist Bulcsú (Sándor Csány), auf den ersten Blick ein Draufgänger, dessen zur Schau getragene Ruhe allerdings weniger Selbstsicherheit bedeutet als Resignation und Desinteresse am Leben. Bulcsú und seine Kumpels führen einen Kampf gegen Schwarzfahrer und gegen die konkurrierenden Kontrolleur-Teams. Mutproben in dunklen Schächten, Verfolgungsjagden zahlungsunwilliger Passagiere - das Dasein unter Tage spült so dahin. Bis sich die Morde in der Metro häufen. Immer mehr Personen werden von einem unheimlichen Mann mit Kapuze vor die einfahrenden Züge gestoßen.<BR><BR>Parallel erzählt "Kontroll" eine zarte, sich langsam steigernde Liebesgeschichte zwischen Bulcsú´ und einem Mädchen im rosafarbenen Bärchenkostüm. Die gefühlvollen Passagen, in denen sogar das Kunstlicht der U-Bahn-Stationen romantisch erscheint, wechseln sich ab mit Szenen voll zynischen Humors, zum Beispiel, wenn die Sanitäter sich über Gulasch-Zubereitung unterhalten, während sie die Überreste eines weiteren Opfers von den Gleisen kratzen. Bernd Eichinger wird noch ein wenig zittern müssen um seinen möglichen Oscar für "Der Untergang": "Kontroll" ist nämlich der ungarische Beitrag. Und womöglich siegt tatsächlich mal der innovativste, anspruchsvollste Kandidat . . . <BR><BR>(In München: Mathäser, Rottmann.)<BR><BR>"Kontroll"<BR>mit Sándor Csány, Eszter Balla<BR>Regie: Nimród Antal<BR>Hervorragend </P>

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