Mörder und Moderator

- Vor 21 Jahren sorgte Charles Barris ein letztes Mal für Aufsehen in der Medienbranche. In seiner Autobiografie behauptete er, ein Doppelleben als TV-Moderator (bereits bekannt) und als Auftragskiller der CIA (bis dahin unbekannt) geführt zu haben. Zuvor hatte Barris als Erfinder von so populären Dauerbrennern wie der "Dating Show" (hierzulande "Herzblatt") von sich reden gemacht.Barris wirre Lebensbeichte voll offenkundiger Ungereimtheiten hat sich nun George Clooney als Sujet für sein Regie-Debüt erkoren.

In der Machart deutlich an Clooneys Lieblingsregisseur Steven Soderbergh angelehnt, werden die unterschiedlichen Welten, in denen Barris gelebt haben will, miteinander verwoben. Auf eine herkömmliche, lineare Nacherzählung von Ereignissen verzichtet Clooney dabei bewusst. Stattdessen inszeniert er Barris Leben, das auch ohne den Killer-Aspekt merkwürdig genug war, als tragikomisches Panoptikum menschlicher Abgründe. Handwerklich bemerkenswert virtuos hantiert Regie-Neuling Clooney mit Zeitebenen und Stilmitteln, ohne je ins Trudeln zu geraten. Dabei interessiert es Clooney und seinen Drehbuchautor Charlie Kaufmann nicht im Geringsten, ob Barris ein Lügner sein könnte.

"Geständnisse" schildert die abstruse Geschichte mit hintergründigem Humor so authentisch es nur geht, ohne je zu behaupten, sie wäre wahr. Genau das macht den aberwitzigen Charme des Films aus. Das ist auch ein Verdienst des großartigen Hauptdarstellers Sam Rockwell, der als maßlos ehrgeiziger Fernsehmacher und unfreiwilliger CIA-Killer immer glaubwürdig bleibt. Obwohl er eine im Grunde zutiefst unsympathische Figur darstellt, wächst einem dieser traurige Kasper in seiner ziellosen Suche nach Anerkennung irgendwie ans Herz. Clooney gönnt sich selbst einige kurze, aber wirkungsvolle Auftritte als mysteriöser Geheimdienstler.

 Zudem konnte er eine Handvoll hochkarätiger Stars (unter anderem Julia Roberts, die als Femme fatale gegen ihr Image anspielt) dazu überreden, kostenlos mitzuwirken. Sie alle agieren mit sichtbarem Spaß. Ob Charles Barris Genugtuung darüber empfindet, mit seiner grotesken Biografie ein Filmheld geworden zu sein, ist ungewiss. Er verweigert seit dem Erscheinen seiner Memoiren 1982 jeden Kommentar. Genau wie die CIA übrigens. (In München: Gloria, Maxx, Cinema i.O.)

"Geständnisse"

mit Sam Rockwell, Drew

Barrymore, Julia Roberts

Regie: George Clooney

Hervorragend

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