Moral in Gummibärchenfarben

"Triff die Robinsons": - Wer aufgibt, ist selber schuld. Schaue nach vorne, und du gehörst zu den Gewinnern. Diese zutiefst amerikanisch-neoliberale Lehre machte sich auch Walt Disney zu eigen. Im neuesten Disney-Werk "Triff die Robinsons" nimmt sich der zwölfjährige Lewis diese Maxime zu Herzen.<br> Kino-Trailer: Triff die Robinsons

"Keep moving forward" hieß einer der Wahlsprüche des großen Zeichentrick-Meisters: Immer weiter machen, das gilt ­ heute noch viel mehr, als zu Lebezeiten von Walt Disney. Jeder ist seines Glückes Schmied, dem Rest droht Hartz IV.

Der zwölfjährige Lewis läuft keine Gefahr, ins Prekariat abzurutschen. Zu gewieft, zu elanvoll geht er schon als kleiner Bub sein Leben an. Er ist ein Wunderkind, ein Jungforscher mit Motivation für zwei. Fortschritt ist sein Ziel, auch wenn dabei zunächst nur eine Erdnussbutter-Spritzpistole heraus kommt.

 Kino-Trailer: Triff die Robinsons

Dieser Jungerfinder im neuen digitalen Disney-Vehikel "Triff die Robinsons" hat nur einen Makel: Er ist Waise, weil ihn seine Mutter als Baby vor einem Kinderasyl ausgesetzt hat. Dort aufgewachsen ­ mit seinem Zimmergenossen Goob, dem Prototyp des Verlierers, ­ hat er sich zu einem unnachgiebigen Forscher in eigener Sache entwickelt. Er will endlich erfahren, wieso er alleine auf der Welt ist und baut einen Apparat, der seine Erinnerung an genau den Moment lesen kann, in dem er ausgesetzt wurde. Damit tritt er eine Geschichte los, die sich für einen Kinderfilm reichlich hektisch in verworrene Knoten stürzt. Wenig überraschend lösen sich am Ende alle in Wohlgefallen auf.

Dem Film zugrund liegt das bunt illustrierte amerikanische Kinderbuch "A Day with Wilbur Robinson" von William Joyce. Bereits für das Disney-Spektakel "Robots" lieferte Joyce die Ideen. Bei "Triff die Robinsons" haben die Disney-Programierer wieder alles aus ihren Computern herausgeholt und ein glänzend animiertes Spektakel geschaffen. Und um die Freude der Technik-Liebhaber perfekt zu machen, bringt Disney auch eine 3 D-Version ins Kino (München: Cinema). Als deutsche Sprecher konnten die Filmemacher unter anderem Model Eva Padberg, Komiker Rick Kavanian und Thomas Gottschalk gewinnen.

Die Handlung des technisch perfekten Spektakels allerdings kommt etwas langsam in Schwung - bis Lewis auf den hyper-flinken Wilbur Robinson trifft. Wilbur entführt seinen neuen Freund mit einer Zeitmaschine in eine knallbunte Zukunft, in der alles möglich zu sein scheint: Wilburs Mutter dressiert singende Frösche, der Onkel lässt sich gerne aus einer Kanone schießen und zum Reisen benutzt man eine überdimensionale Rohrpost. In der Welt der Robinsons kann jeder seine Träume verwirklichen und darf seinen Spleen ausleben. Doch dieses durch und durch verrückte Paradies in Gummibärenfarben ist in Gefahr.

Lewis und Wilbur wissen natürlich, das üble Schicksal in einem allerdings vorhersehbaren Plot abzuwenden. Lewis lernt, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und schreitet voran in die Zukunft, die bereits strahlend und märchenhaft vor ihm liegt.

Das ist alles weniger ironisch hintertrieben oder doppelbödig, wie man es etwa vom inzwischen Disney-eigenen Pixar-Studio ("Monster AG", "Cars") kennt. Stattdessen bietet "Triff die Robinsons" einfach bewährte Familienunterhaltung in Gummibärchenfarben und mit Moral. 

"Triff die Robinsons"

Stimmen: Thomas Gottschalk, Eva Padberg, Rick Kavanian

Regie: Stephen Anderson

Annehmbar

(Ab 29. März in München: Mathäser, Maxx, Royal, Leopold, Cadillac, Cinema in 3D und i.O., Forum.)

Der Disney-Film "Triff die Robinsons" startet am 29. März in deutschen Kinos.

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