Mut und Mord

- Mafia - seit es das Kino gibt, gehört sie zu seinen Lieblingsthemen, gibt ihm immer wieder Futter gleichermaßen für Gewaltfilme wie für Melodramen. Wenn man der Mafia selbst glaubt, dann gibt es sie gar nicht, denn niemand leugnet ihre Existenz ähnlich stur wie die "ehrenwerte Gesellschaft" selbst. Ist die Mafia also am Ende gar eine Erfindung des Kinos? Gäbe es sie nicht, wenn es keine bewegten Bilder gäbe?

<P>Wer so fragt, verfällt schon dem Mythos - und zwar gleichermaßen dem, der an das Kino glaubt, wie dem, der dem organisierten Verbrechen auf den Leim geht. Doch glücklicherweise gibt es Filme wie Marco Tullio Giordanas "100 Schritte", die gutes Kino bieten und doch immer Distanz zur Mythologisierung halten. <BR><BR>Der Film basiert auf der wahren Geschichte des Radiojournalisten Peppino Impastato aus Sizilien. Mit Witz und Musik führte er einen Feldzug gegen die Mafia und wurde von Unbekannten ermordet. Am gleichen Tag wie der christdemokratische Politiker Aldo Moro, weswegen sein Fall zunächst in Vergessenheit geriet. "100 Schritte", der in Italien mehrfach preisgekrönt wurde, ist eine Hommage an Impastato. Erzählt wird sein Leben in den 60ern und 70ern, das allmähliche Wachsen seines Widerstandswillens. Nur hundert Schritte trennen sein Haus von dem des örtlichen Mafia-Bosses. Eines Tages entschließt Impastato sich, diese hundert Schritte nicht mehr zu gehen . . . <BR><BR>Regisseur Giordana inszeniert die Mafia als Kulturphänomen jenseits aller (Kino-)Mythen: nüchterner und spröder, fern von den direkten moralisch-politischen Anklagen der Filme Francesco Rosis und den Romanen Leonardo Sciascias. Sie ist für ihn etwas Alltägliches, nicht immer Unangenehmes, Realität ohne Romantik und auch keinesfalls künstlerisch zur existenziellen Metapher erhoben wie bei Martin Scorsese und Francis Ford Coppola. </P><P>"100 Schritte"<BR>mit Luigi Lo Cascio, Luigi Maria Burruano<BR>Regie: Marco Tullio Giordana<BR>Sehenswert <BR></P>

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