Der Mord als Liebesbeweis

- Schöne Leichen, junge Frauen und gutes Essen - das muss ein Film von Claude Chabrol sein. Und auch wenn der französische Altmeister sich diesmal einer Vorlage der Britin Ruth Rendell bedient, hat er doch einen echten Chabrol daraus gemacht: einen Film über die französische Provinz, über Leute aus der gelangweilten Mitte unserer Gesellschaft mit ihren kleinen, schmutzigen Geheimnissen und zugleich genug Geld, um sich Landhäuser mit schönen Fassaden zu leisten, hinter denen sich alles verstecken lässt.

<P>In den Kellern liegt nicht nur manche Leiche, dort haust auch Senta, die titelgebende Brautjungfer, eine gefallene höhere Tochter, bei der man sich nie ganz sicher ist, ob sie wirklich so schräg und verrückt ist, oder nur so tut, als ob, um ihre innere Leere mit kleinen frivolen Spielchen auszufüllen. Für Philippe (Benoît Magimel) hat das zunächst einmal angenehme Seiten, denn schon bei ihrer ersten Begegnung - auf der Hochzeit seiner Schwester - verführt sie ihn ohne lange Umwege. </P><P>Von da an sind die beiden ein Paar, und Philippe, eigentlich ein Langweiler, blüht ein wenig auf. Doch dann testet Senta seine Liebe durch eine Probe, die alle Grenzen seiner Spießigkeit sprengt: Als Liebesbeweis soll er jemanden umbringen.</P><P>Das eigentliche Thema von "Die Brautjungfer" ist nun nicht etwa, wie Philippe diese Probe besteht, sondern warum unter solch langweiligen Existenzverhältnissen, in einem explosiven Gemisch aus Immobiliengeschäften, schlechtem Geschmack und verblühten Träumen, in dem nur Sex und übermäßiges Essen ein wenig Trost bringen, eigentlich nicht dauernd viel mehr Leute einander töten. Chabrols Senta (Laura Smet), die uns zu dieser Frage zwingt, ist daher keine Unglücksbotin, sondern ein Engel der Freiheit - was in der Praxis freilich aufs Gleiche hinausläuft.</P><P>Chabrol steht nicht erst in diesem Film längst über allen Dingen. Und auch wenn man seine Innenansichten der Bourgoisie nicht mehr überraschend und originell finden muss, sind sie doch allemal sehr vergnüglich und oft treffend. Jedem von uns hält dieser immer noch neugierige, insgeheime Dokumentarfilmer mit unglaublicher Souveränität und handwerklicher Perfektion einen Spiegel vor. </P><P>"Die Brautjungfer"<BR>mit Benoît Magimel, Laura Smet<BR>Regie: Claude Chabrol<BR>Sehenswert <BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“

Kommentare