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Zwei Polizisten, die miteinander klarkommen müssen: der Chaot Ousmane ( Omar Sy, li.) und der Snob François Laurent Lafitte) auf Verbrecherjagd.

Kinokritik

"Ein Mordsteam": Pariser Männerwelten

Berlin - Flotte Dialoge, französische Selbstironie und Klischee-Spiele: Am Donnerstag startet die Komödie „Ein Mordsteam“ von David Charhon in den Kinos. Hier gibt's die Filmkritik.

Zwei Cops, zwei Welten. Doch müssen sie miteinander klarkommen – ob sie wollen oder nicht. Der eine ist witzig, der andere ein Karrierist. Der eine lebt in einem miesen Vorort, der andere entstammt unverkennbar dem Mittelstand: Er ist ehrgeizig, fies und verkappt frauenfeindlich. Die Tatsache, dass der eine dunkle, der andere helle Hautfarbe hat, verschafft ihrer Gegensätzlichkeit nur mehr den optischen Rahmen.

Was klingt, wie die Steilvorlage zu einem amerikanischen Buddy-Movie, spielt in diesem Fall mitten in Paris – beziehungsweise in einer der heruntergekommenen Banlieues der Metropole. Im Gegensatz zu vielen europäischen Regisseuren, die sich mit Gewalt vom US-Kino abgrenzen wollen, erweist mit David Charhon ausgerechnet ein stolzer Franzose seinen Kollegen jenseits des Atlantiks alle Ehre. Der 40-Jährige hat bisher vor allem Werbe- und Kurzfilme gedreht. Mit Omar Sy, dem Publikum bekannt aus dem Riesenerfolg „Ziemlich beste Freunde“, konnte Charhon für sein zweites großes Werk gleich einen heimischen Star verpflichten.

Sy spielt Ousmane, den Getto-Polizisten aus der Vorstadt Bobigny, als liebevollen Chaoten, eine Mischung aus „Beverly Hills Cop“ und Sensibelchen. Schon lange ist er gegen den Willen seiner Vorgesetzten einem Gangsterring auf der Spur – und wird dabei schon mal selbst festgenommen. Immerhin sieht er eher aus wie ein typischer Bewohner Bobignys und nicht wie ein rechtschaffener Polizist.

Charhon schickt diesen Sympathieträger Ousmane auf typisch amerikanische Weise ins Rennen – mit einer wilden, witzigen Verfolgungsjagd. Erst als die zweite Hauptfigur, der egoistisch-snobistische Schreibtisch-Cop François (Laurent Lafitte), auftaucht, weht europäischer Geist durchs Bild: So derb und vermeintlich frauenfeindlich (in Wahrheit karikiert der Regisseur nur einen bestimmten Männertyp) treiben’s die Amerikaner nur in Independentfilmen. „Ein Mordsteam“ aber ist ein Werk, das geschickt mit dem Hollywood-Mainstream, insbesondere der Actionkomödie, kokettiert. Und wie es sich in diesem Genre gehört, spielt der Mordfall, der die beiden Polizisten zur Teamarbeit verdonnert, nur eine Nebenrolle.

Primär entzückt der Spaß durch flotte Dialoge, Klassiker der Situationskomik, originelle Wendungen und wundervolle Zwistigkeiten zwischen den Hauptfiguren. Nicht selten zieht das Drehbuch darin das Männerbild des Polizeifilms durch den Gossendreck der Pariser Banlieues und spielt gleichzeitig mit Rollenklischees. Seine Verehrung der amerikanischen Vorlagen macht David Charhon zwischen all köstlichen verbalen und realen Kloppereien immer wieder zum Thema: Als Ousmane einmal mit Jean-Paul Belmondos Actionrolle im Film „Der Profi“ konfrontiert wird, meint er nur trocken: „Nicht so gut wie Eddie Murphy.“ So viel französische Selbstironie macht richtig Spaß.

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