Kinotrailer und Filmkritik

"Und morgen Mittag bin ich tot ": Überraschend anders

München - Die Geschichte eines schwerkranken Mädchens klingt nach großem Heuler mit Kitschgarantie. "Und morgen Mittag bin ich tot" überrascht entgegen dieser Erwartung aber mit viel Humor und Fingerspitzengefühl.

Den Namen Liv Lisa Fries muss man sich merken. Die 23-jährige Berlinerin zählt schon seit ein paar Jahren zu den profiliertesten Jungschauspielern im deutschen Kino und Fernsehen. Sie trat in „Die Welle“ und in „Romeos“ auf. Sie war die brutale Sadistin, die in „Sie hat es verdient“ eine Mitschülerin zu Tode quälte. Momentan ist sie bereits in dem Drama „Staudamm“ im Kino zu bewundern. Ihr bisheriges Glanzstück dürfte aber die Rolle der an Mukoviszidose erkrankten Lea in „Und morgen Mittag bin ich tot“ sein. Gerade erhielt sie für ihr eindringliches, nie zu dick aufgetragenes, natürlich-beiläufiges und dadurch beklemmendes Spiel den Max-Ophüls-Preis als beste Nachwuchsdarstellerin.

Lea leidet seit Langem an der tückischen Stoffwechselkrankheit, und von Beginn des Films an ist klar, dass in diesem Stadium ein normales Leben nicht mehr möglich ist. Ein Schlauch in ihrer Nase ist mit dem Sauerstoffgerät auf Leas Rücken verbunden, Tabletten, Arztbesuche und ständige Atemnot dominieren den Alltag. Dass Lea ihrem Leben ein Ende setzen will, solange sie es noch selbst bestimmen kann, ist beinahe verständlich. Um Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, reist sie nach Zürich. Ihre Familie folgt nach.

Das alles klingt nach einem großen Heuler mit Kitschgarantie. Ist aber ein bemerkenswert klar strukturiertes Plädoyer für selbstbestimmtes Leben und Sterben. Mit Fingerspitzengefühl, Herz und – zumindest anfangs – überraschend viel Humor.

Ulricke Frick

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