Nach russischem Gesetz

Die "Moskauer Prozesse" neu verhandelt

München - Es ist der richtige Film zur aktuellen politischen Großwetterlage in Russland: Für seinen Dokumentarfilm lässt Regisseur Milo Rau die „Moskauer Prozesse“ neu verhandeln.

Regisseur Milo Rau, 1977 in Bern geboren, hat für diese Dokumentation die Verfahren gegen die Moskauer Ausstellungen „Vorsicht! Religion!“ (2003) und „Verbotene Kunst“ (2007) sowie gegen die Frauen von Pussy Riot (2012) neu verhandeln lassen. Doch nicht Schauspieler traten in Raus „Moskauer Prozessen“ auf, sondern Akteure des politischen Lebens. Verhandelt wurde – zunächst geheim – im Moskauer Sacharow-Zentrum, wo einst die Ausstellungen stattfanden. Das Verfahren folgte russischer Verfassung und Gesetzgebung, wie Rau in seinen besonnenen Kommentaren erläutert. Der Schweizer, ein wichtiger Vertreter des dokumentarischen Theaters, der gerade eine Arbeit mit dem Münchner Residenztheater vorbereitet, ist überzeugt, dass mit jenen drei Prozessen das „demokratische Russland“ geendet habe.

Obwohl streng genommen hier alles nur „Spiel“ ist, streiten Ankläger, Verteidiger, Angeklagte und Zeugen mit großer Ernsthaftigkeit. Rau filmt das nachrichtlich-nüchtern, seine Bilder sind größtmöglicher Objektivität verpflichtet. So liegt das Urteil beim Zuschauer. Übrigens: Rau durfte nach den „Moskauer Prozessen“ nicht mehr nach Russland einreisen

leic

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