+
Auch sie kann den Film nicht retten: Julia Roberts sitzt mit Jennifer Aniston am Tisch.

Film in der Kritik

"Mother’s Day – Liebe ist kein Kinderspiel“: Vorsicht: Zuckerschock!

  • schließen

München - Die letzte Regie-Arbeit von „Pretty Woman“-Schöpfer Garry Marshall ist gar nicht pretty. Jennifer Aniston und Julia Roberts üben sich in synchron-stereotypem Hausfrauen-Lächeln.

Weihnachten, Ostern, Valentinstag – alles filmisch zur Genüge abgearbeitet. So ein Mist. Was tun also als Hollywoods Liebeskomödien-Lieferant? Blick in den Kalender: Richtig, es gibt ja noch den Muttertag! Ungefähr so muss es Garry Marshall gegangen sein, als er sich für die Regie von „Mother’s Day“ entschied. Es ist ein Jammer, dass es seine letzte Arbeit werden sollte. Marshall, der im Juli mit 81 Jahren gestorben ist, hat viele bessere Filme gedreht. Diesen hier sollte man ihm zuliebe irgendwo in den Fußnoten seiner Biografie verstecken.

„Mother’s Day“ wird dennoch seine Zuschauer finden. Mit Jennifer Aniston, Kate Hudson, Julia Roberts und Jason Sudeikis in den Hauptrollen ist das eine sichere Bank. Ob die Kinogänger sich allerdings dabei amüsieren werden, US-amerikanischen Mittelschicht-Mamis bei der Selbstfindung zuzuschauen, ist fraglich. Wobei, Selbstfindung – wenn es darum denn ginge. Die Frage, die man sich während des viel zu langen Films stellt, lautet vielmehr: Worum geht es überhaupt?

Episodenhaft lernen wir verschiedene Mütter kennen, die in ihren herausgeputzten Häusern und mit stereotypem Dauergrinsen ihren Alltag zwischen Kinder-Herumkutschieren und Liebesleben-Managen fristen. Jede hat hier ihr eigenes kleines Wohlstandsproblem; die Lösung für alle miteinander ist – wie überaus praktisch – ganz einfach: Wer Familie hat, kann doch nur glücklich sein. Und so lösen sich rassistische Vorurteile dem indischen Schwiegersohn gegenüber mir nichts dir nichts in Völkerverbrüderung auf. So ist die eifersüchtige Exfrau plötzlich glückliche Patchwork-Mutti mit der neuen Gattin des Exmannes. Und (irgendwelche Zweifel?) das unglückliche adoptierte Mädchen trifft in der erfolgreichsten Geschäftsfrau des Landes ihre leibliche Mutter. Einmal die Zuckermaschine abschalten, bitte!

Das alles so bieder, aufgesetzt und wenig spritzig in Szene gesetzt, dass man in all dem nicht die Regiehand des „Pretty Woman“-Schöpfers wiederentdecken mag. Einzige gelungene Referenz zu dem Erfolg von Garry Marshall: Hector Elizondo wieder als Roberts’ liebevollen Vertrauten auftreten zu lassen. Das erinnert an, in diesem Fall muss man wirklich sagen: bessere alte Zeiten.

„Mother’s Day – Liebe ist kein Kinderspiel“

mit Jennifer Aniston, Julia Roberts

Regie: Garry Marshall

Laufzeit: 119 Minuten

Unerträglich

Wenn Sie noch einmal eine Liebeskomödie sehen möchten, die wie „Pretty Woman“ ist – schauen Sie „Pretty Woman“ an .

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“

Kommentare