Mozart und die Indianer

- Die ersten fünf Tage der 56. Internationalen Filmfestspiele in Berlin haben eine ganze Reihe guter Filme und attraktiver Stars geboten. Nach der zwiespältigen Aufnahme des ersten deutschen Beitrags im diesjährigen Wettbewerb um die Bären, Oskar Roehlers Romanverfilmung "Elementarteilchen", hinterließ der zweite deutsche Beitrag "Der freie Wille" von Matthias Glasner am Montag einhellig tiefen Eindruck in der derzeitigen Filmhauptstadt und machte Hauptdarsteller Jürgen Vogel zum Anwärter für eine Auszeichnung.

Das Drama um einen Vergewaltiger, der an der wiedererlangten Freiheit ebenso scheitert wie an der Liebe zu einer Frau, bot Kino, das unter die Haut geht. Das war allerdings schon am Vorabend bei Detlev Bucks neuem Film "Knallhart" nicht anders: Die erschütternden Erlebnisse eines 15-jährigen Jungen im ungeschönt gezeigten Multikulti-Milieu von Berlin-Neukölln waren Anschauungsunterricht in Sachen deutsche Realitäten, die von den einheimischen Filmemachern mutiger und radikaler als bislang ins Visier genommen werden.

Könner kommen noch

Unter den ausländischen Filmen, die bislang zu sehen waren, ragte Robert Altmans Alterswerk "A Prairie Home Companion" deutlich heraus. Der Empfänger des diesjährigen Ehren-Oscars präsentierte mit diesem Film eine wunderbare Hommage an das gute alte Radio und profitierte dabei von der überschäumenden Spiellaune etlicher Stars wie Kevin Kline, Lily Tomlin und Meryl Streep.

Viel Beachtung fand das neue Werk des öffentlichkeitsscheuen amerikanischen Filmemachers Terrence Malick mit dem Titel "The New World". In berauschend schönen Bildern und zur Musik von Richard Wagner und Wolfgang Amadeus Mozart zeigt Malick den Zusammenprall völlig verschiedener Kulturen: der im Einklang mit der Natur lebenden Indianer und derjenigen englischen Siedler, die den bedrückenden Erlebnissen in der alten Heimat zu entfliehen suchen. Auch der bislang teuerste und im eigenen Land erfolgreichste chinesische Film aller Zeiten, "Das Versprechen" von Chen Kaige, war auf der Berlinale zu sehen. Ebenso wie Malicks Produktion lief dieses mit viel Tricktechnik angereicherte Märchen außer Konkurrenz.

In der zweiten Hälfte des Festivals kommen noch elf der insgesamt 19 Filme im Wettbewerb zur Aufführung, darunter die beiden deutschen Streifen "Sehnsucht" von Valeska Grisebach und "Requiem" von Hans-Christian Schmid. Auch bekannte ausländische Regisseure wie der Brite Michael Winterbottom, Frankreichs Altmeister Claude Chabrol und Hollywood-Veteran Sidney Lumet werden ihre neuen Arbeiten in Berlin vorstellen.

Die Filmfestspiele haben also noch einige Trümpfe in der Hand. Erst die Preisverleihung am Samstagabend wird zeigen, welche auch triumphieren und ob ein deutscher Beitrag mit von der Partie ist.

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