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Ein skeptischer Blick auf das Treiben der Menschen: Leonard Nimoy in seiner Paraderolle als Vulkanier Mr. Spock in „Star Trek“.

Trauer um Schauspieler Leonard Nimoy

Zum Tod von "Mr. Spock": Jetzt ist es einsamer im All

München - Trauer um Leonard Nimoy, der als Mr. Spock berühmt wurde und nun im Alter von 83 Jahren gestorben ist. Nach einer einzigartigen Karriere wird es jetzt ziemlich einsam im All. Ein Nachruf.

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Es gibt keinen anderen in der Geschichte des Kinos, der über fast ein halbes Jahrhundert immer wieder dieselbe Rolle verkörpert hat. Bis hin zu den aktuellsten „Star Trek“-Filmen tauchte er als Vulkanier Spock auf, zuletzt 2013. Eine einzigartige Karriere und eine, mit der Leonard Nimoy lange gehadert hat. Er sah sich als ernsthaften Schauspieler, und in einer Art Kinderpyjama durch Pappkulissen zu laufen, wollte er lange nicht so recht als Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn akzeptieren. Seine erste Autobiografie hatte er 1977 noch trotzig „Ich bin nicht Spock“ betitelt. Zwei Jahrzehnte später veröffentlichte er dann nochmals Memoiren, und die hießen dann, deutlich versöhnlicher, „Ich bin Spock“.

Als Nimoy 1966 die Rolle des außerirdischen Wissenschaftsoffiziers auf dem Raumschiff Enterprise annahm, hatte er bereits eine Odyssee durch Fernsehserien und Nebenrollen in Filmen hinter sich. Für einen, der schon als Kind unbedingt Schauspieler hatte werden wollen, muss es eine einzige Enttäuschung gewesen sein. Aber nun, als Mittdreißiger, sollte er zu Ruhm gelangen. Ziemlich unvorhergesehen, denn dass ausgerechnet die vergleichsweise billig produzierte Science-Fiction-Serie ein weltweiter Erfolg werden sollte, das konnte damals keiner ahnen.

Auch wenn Nimoy es ein Leben lang abstreiten sollte: Die Rolle des rationalen, kontrollierten Intellektuellen war ihm auf den Leib geschrieben. Als Sohn jüdisch-ukrainischer Einwanderer war er 1931 in der akademischen Hochburg der USA auf die Welt gekommen, in Boston. Dort erhielt er eine exzellente Ausbildung und nahm gewissermaßen nebenbei diese gewisse neuenglische Noblesse auf, die später so wunderbar die frankokanadische Nonchalance seines „Star Trek“-Co-Stars William Shatner kontrastierte. Nimoy war auch im wirklichen Leben ein disziplinierter Charakter, der sich gern schöngeistigen Dingen widmete.

Deswegen funktionierte „Star Trek“ mit ihm, und deswegen ergänzte er sich so gut mit dem sinnenfrohen Hallodri Shatner. Die Chemie zwischen den beiden Gegenpolen war eines der Erfolgsgeheimnisse von „Star Trek“, und selbstverständlich waren beide felsenfest davon überzeugt, der wahre Star der Serie zu sein.

Nimoy steuerte schon früh eigene Ideen bei. Den berühmten „Vulkanier-Gruß“ mit gespreiztem Ring- und Mittelfinger hatte er sich von einem jüdischen Segnungsritual abgeschaut, auch viele der trockenen Einzeiler, die so typisch für Spock wurden, kamen von Nimoy selbst. Als Captain Kirk einmal unbekannte Außerirdische beschießt und einen Krieg auslöst, beteuert er, das nicht gewollt zu haben. „Erstaunlich, wie oft Menschen genau das tun, was sie eigentlich gar nicht wollen“, lautete zum Beispiel so ein Kommentar oder – unschlagbar – „Diplomatie ist die künstliche Verlängerung von Krisen“.

Als „Star Trek“ 1969 nach nur drei Staffeln eingestellt wurde, gingen Nimoy und Shatner erleichtert ihrer Wege und schlugen sich mit Fernsehen und B-Movies durch. Aber die Serie entwickelte im Laufe der Zeit durch endlose Wiederholungen ein Eigenleben: Im Jahr 1979 wurde Nimoy überredet, bei einer Kinoversion mitzumachen. Nach den sensationellen Einspielergebnissen von „Star Wars“ war Science Fiction gefragt, und „Star Trek“ erschien plötzlich wahnsinnig modern.

Der Film lief gut, Fortsetzungen wurden gedreht, der ehrgeizige Nimoy sollte bald sogar Regie bei den „Enterprise“-Filmen führen. Mit außerordentlich großem Erfolg. Nimoy hatte Ahnung vom Geschichtenerzählen, und vor allem verstand er den Mythos „Star Trek“ besser als alle anderen. Er machte seinen Frieden mit Shatner, und es entstand so etwas wie eine Männerfreundschaft.

Nimoy blieb „Star Trek“ verbunden, tauchte in den TV-Ablegern auf und nahm das Erbe an, das Gesicht der Saga zu werden. Vulkanier haben eine hohe Lebenserwartung, das ermöglichte Auftritte in immer neuen Serien und Filmen. Dazwischen führte Nimoy Regie bei Hollywood-Hits („Drei Männer und ein Baby“), Musikvideos und Werbeclips, veröffentlichte Platten und Lyrikbände und tauchte immer mal wieder als selbstironischer Pate der Science Fiction auf. Er ist der geworden, der er war, und das gelingt letztlich nur sehr wenigen Menschen.

Bemerkenswert war vor allem, wie aufgeschlossen Nimoy technologischen Entwicklungen gegenüber war und wie wenig Lust er hatte, in der Nostalgie-Nische zu versauern. Es machte ihm Spaß, sich bei Gastauftritten bei den „Simpsons“ selbst auf den Arm zu nehmen oder bei Computerspielen mitzuwirken. Er war fasziniert vom Internet und nutzte Soziale Medien wie Twitter. Seine letzte Nachricht vor wenigen Tagen lautete: „Das Leben ist wie ein Garten. Man kann perfekte Augenblicke erleben, aber niemals festhalten – außer in der Erinnerung.“

Am Freitag ist Leonard Nimoy, der in Wahrheit natürlich Mr. Spock war und es bis ans Ende der Zeit bleiben wird, im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer Lungenkrankheit gestorben. Jetzt ist es einsamer im All.

Von Zoran Gojic

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