Münchner Filmfest: Die gute Deutsche

München - "Das hatten wir geschafft!" - noch heute ist Beate Klarsfeld die Erleichterung anzumerken, die sie am Ende jenes langen Tages im Jahr 1983 fühlte, als sicher war, dass sich der deutsche Kriegsverbrecher Klaus Barbie, berüchtigt als "Schlächter von Lyon", endlich in französischem Gewahrsam befand.

 Die Berlinerin Klarsfeld, als "Nazijägerin" berühmt, hatte Barbie in Peru aufgespürt, wo er unter falschem Namen lebte, war ihm auf seiner Flucht nach Bolivien gefolgt und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der vielfache Mörder und schaurige Folterer in Lyon vor Gericht gestellt werden konnte.

"Die Hetzjagd" heißt der Film des Franzosen Laurent Jaoui, der beim Filmfest seine Premiere feierte. Franka Potente spielt in der deutsch-französischen Koproduktion Beate Klarsfeld, Hanns Zischler ist als Barbie zu sehen. Ein Duell aus der Entfernung. Jaoui, der bislang fürs Fernsehen tätige Bruder der Regisseurin Agnès Jaoui, hat eine Mischung aus dokumentarischer Exaktheit und fiktionaler Erzählweise gewählt, die sorgfältig all jene Klischees vermeidet, von denen fiktionale Filme wie "Der Untergang" voll sind. Zentrum des Films ist Zischlers Barbie auf schmalem Grad zwischen Monstrosität und Alltäglichkeit: ein Mann, der seinen Charakter nie verstellt, kein sardonischer Mephisto, sondern ein Folterknecht, der sich in Lateinamerika in der Rolle des Leutseligen gefällt, der immer noch die Strippen in Nazinetzwerken zieht und dem keiner etwas anhaben kann, bis Klarsfeld und ihr Mann kommen.

Jaouis Film erzählt einen Thriller aus dem wahren Leben mit einigem Suspense. Unverständlich ist die Zurückhaltung der deutschen Förderer: Der Film wurde von der NRW-Filmstiftung und dem WDR nicht gefördert, unter anderem, wie zu hören war, mit der skandalösen Begründung, der Film über eine gute Deutsche, die gegen viele Widerstände einen Alt-Nazi und Mörder zur Strecke bringt, sei "kein deutsches Thema". Ganz im Gegensatz offenbar zum Täterkino à la "Der Untergang" und "Napola". Im Rückblick bestechen Klarsfelds Mut und ihre Hartnäckigkeit. "Ich war nie frustriert", sagte sie gestern. Ihr glaubt man das.

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