Musik spüren

- Die schottische Percussionistin Evelyn Glennie ist zu 80 Prozent gehörlos. Im Alter von elf Jahren verlor sie sukzessive ihr Gehör. Vorher sah es so aus, als ob die musikalische Farmerstochter aus Aberdeenshire einmal Konzertpianistin werden würde. Dank der Eltern, die ihr Kind mit Verve unterstützten, sattelte Evelyn um auf Schlagzeug. Inzwischen ist die junge Frau eine gefragte Künstlerin, gibt über 100 Konzerte im Jahr und hat bereits 19 CDs aufgenommen.

<P>Ihr schwindendes Gehör hat Glennie durch einen anderen Sinn ersetzt: Sie kann Töne, Frequenzen und Resonanzen mit dem ganzen Körper erspüren. Wie eine Sehne ist ihr Körper gespannt, bevor sie mit einem Schlagstock ausholt - und vom Ton, der auf dem Fell der Trommel erzeugt wird, wird Glennie förmlich zurückgeschleudert. Das ganze zierliche Persönchen vibriert dabei nur so vor Energie und Musikalität.</P><P>Thomas Riedelsheimer, der in "Rivers and Tides" den Maler Andy Goldsworthy porträtierte, wagt sich in nun an einen weiteren Ausnahmekünstler. Riedelsheimer folgt Glennie auf ihren Konzertreisen, er beobachtet sie bei ihren Auftritten, zu Hause am Telefon, bei ihren selbstvergessenen Improvisationen und im Musikunterricht für gehörlose Kinder. Hier wird den tauben Mädchen wie auch dem Zuschauer endlich verständlich, wie sich Musik anfühlt. Riedelsheimer findet viele eindringliche Bilder. Er wertet nie, seine Kamera bleibt bei jeder Bewegung ganz eng bei der Percussionistin. Diese Nähe schafft einen direkten Zugang zu Glennies Welt.</P><P>Und wenn die Musikerin in einer riesigen, leer stehenden Fabrikhalle einen gigantischen Gong schlägt, schafft sie dadurch einen Klangkörper, der langsam anschwillt, sich im Raum ausdehnt und schließlich sogar den Kinosessel vibrieren lässt. </P><P>Touch the Sound<BR>mit Evelyn Glennie<BR>Regie: Thomas Riedelsheimer <BR>Sehenswert </P>

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