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Unterwegs mit den Kindern: Doch da die alleinerziehende Roberta (Meret Becker) vom Leben überfordert ist, muss ihre Tochter Nana (Elisa Schlott, 2. v. li.) sich um ihre Mutter und ihre Geschwister kümmern.

Mutter – und „heiße Braut“

München - Meret Becker spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über ihren neuen Film „Fliegende Fische müssen ins Meer“, Til Schweiger und ihre neuen Lieder.

Schauspielerin, Musikerin, Artistin: Meret Becker ist ein lebendes Gesamtkunstwerk und immer für eine Überraschung gut. Wir trafen sie zum Gespräch über die Tramödie „Fliegende Fische müssen ins Meer“, der morgen in den Kinos startet. Darin spielt die 42-Jährige eine dreifache, alleinerziehende Mutter, die sich in einem Schweizer Grenzdorf deutlich pubertärer aufführt als ihre älteste Tochter.

Mutterrollen gelten traditionell als nicht so interessant. Das kann man bei Roberta aber wirklich nicht sagen, oder?

Nee! Ich fand es eher toll, dass mir so eine heiße Braut anvertraut wurde. (Lacht.)

Bei aller Liebenswürdigkeit: Gibt es Momente, in denen Sie Roberta gerne schütteln würden?

Darum geht es in „Fliegende Fische müssen ins Meer“

Nana, 15 Jahre, schmeißt einen Vier-Personen-Haushalt allein: Nicht nur, dass sie sich um ihre jüngeren Geschwister kümmert, sie verdient auch den Unterhalt der Familie. Von ihrer Mutter bekommt sie kaum Unterstützung: Roberta (Meret Becker) trinkt gern und gerät allzu oft von einer unglücklichen Liebschaft in die nächste. Das Jugendamt droht mit dem Entzug des Sorgerechts – und Nana (Elisa Schlott) macht sich auf, endlich den richtigen Mann für Mama zu finden.

Das Scheitern finde ich natürlich einen liebenswerten Zug. Dass man sich nicht zurechtfindet im Leben, das kann ich schon nachvollziehen. Und dass sie sich auf die Hinterläufe stellt und bemüht, das finde ich ganz toll. Wo man sie schütteln will, ist einfach ihr Egoismus: Sie rudert sich irgendwie durch ihr Leben – und dass ihre Kinder da mitrudern müssen, sieht sie nicht. Weil sie in der Hinsicht nicht erwachsen geworden ist.

Der Film ist stilistisch sehr bunt, überzeichnet, aber Roberta wirkt in Ihrer Darstellung verblüffend real...

Ich hab so eine Tendenz: Wenn einer sagt „Das macht man so!“, dann tendiere ich dazu, andersrum zu laufen. (Lacht.) Das ist ja fast schon ein bisschen die Figur der Roberta. Ich versuche dabei aber auch, Klischees zu entgehen. Immer wieder zu überraschen und vor allem das Infragestellen der Dinge ist etwas, was mich sehr interessiert.

Wie viel Persönliches steckt in der Figur?

Da gibt’s schon Parallelen. Dieses Nichtorten von Grenzen. Das kenne ich schon sehr genau. Und da arbeite ich tatsächlich sehr dran. Das beinhaltet auch, sich zu entscheiden. Zu sagen: „Das mag ich, finde ich richtig – und das nicht.“ Und eben nicht: „Es geht doch alles! Wieso? So kann man es machen, aber so auch...“ Grade wenn man Kinder hat, ist das sehr schwierig. Aber natürlich bemühe ich mich, da nicht so wahnsinnig auf die Kacke zu hauen wie die Roberta. (Lacht.)

Wie waren die Dreharbeiten für Sie als Erz-Berlinerin in der Schweiz?

Ich hab schon öfter in der Schweiz gedreht. Ich mag ja die Natur sehr gern und das Land auch. Es war eigentlich schön. Wir haben in einem Spa gewohnt, wo man auch Krankengymnastik machen kann, mit Warmwasserquellen. Nachts sind wir da als Team manchmal heimlich in den warmen Pool eingebrochen. (Lacht.)

Sie wechseln munter zwischen Großproduktionen und kleinen Filmen...

Das ist gar nicht das, wo ich in erster Linie hinkucke. Ich kucke natürlich, dass es sich rechtfertigt, wenn ich meine Tochter für Dreharbeiten hinter mir lasse. Dass da auch in irgendeiner Form der Schornstein raucht. Vor einigen Jahren war es sehr modern, nicht zu sagen „Wir drehen LOWbudget“, sondern „Wir drehen NObudget“. Da muss ich sagen: Wenn ich meine Arbeit mache, dann macht ihr als die Produzenten bitte auch eure und sorgt dafür, dass es wenigstens LOWbudget wird. Ansonsten geht’s wirklich um die Projekte. Und da gibt’s verschiedene Gründe, die mich daran reizen.

Was hat Sie denn an der Komödie „Kokowääh“ gereizt?

Das hab ich jetzt geahnt, dass Sie darauf kommen... (Lacht.) Da war das tatsächlich ganz banal: Til. Weil ich mag den – also als Kerl. Ich finde, der funktioniert super im Film. Generell habe ich großen Respekt davor, dass einer das alles überhaupt wuppt. Und ich glaube, er hat immer das Gefühl, dass man ihm diesen Respekt nicht zollen will. Und das ist bei mir dann schon wieder so: Wenn einer erwartet, dass ich rückwärts aus der Tür renne, wenn er anklingelt, weil er Til Schweiger heißt, dann irrt er sich. (Lacht.) Dann renn ich mit offenen Armen auf ihn zu.

Sie haben unlängst in Berlin ein neues Musik-Programm vorgestellt. Wird’s dazu ein Album und auch ein Konzert in München geben?

Es gibt etliche Stücke, die momentan in Schubladen verweilen... Was heißt „in Schubladen“! Also die noch in meinen Fingern und in mir verweilen. Aber die gibt’s noch nicht auf CD, weil das Programm noch nicht fertig ist. Dieses Programm ist eine Entwicklung zu einem Programm! (Lacht.) Und ich glaube, denke, hoffe, dass ich damit auch nach München komme.

Das Gespräch führte Thomas Willmann.

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