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Lauren Bacall.

Nachruf

Lauren Bacall - mit Haltung und Humor

New York - Sie war eine der Heldinnen der „Schwarzen Serie“ Hollywoods in den 40er-Jahren: Die Schauspielerin Lauren Bacall starb im Alter von 89 Jahren in New York. Ein Nachruf.

Merkwürdig, wie sich manche Leben auf ein Schlagwort verkürzen. Bei Lauren Bacall zum Beispiel, einer wirklich großen Schauspielerin mit einer beeindruckenden Filmografie hieß es immer nur: „Witwe von Bogart“. Natürlich hatte Lauren Bacall ein Leben nach dem 14. Januar 1957, als ihr damaliger Mann seinem Krebsleiden erlag. Aber sie blieb immer die Frau an „Bogies“ Seite. Bacall selbst schien das nicht zu stören. Im Gegenteil erzählte sie gerne und ausführlich über den Mann, den sie bis zum Schluss als große Liebe ihres Lebens ansah.

Als sich die beiden 1944 bei den Dreharbeiten zu „Haben und Nichthaben“ über den Weg liefen, war Bogart 45 und ein Weltstar, Bacall gerade 19 und eine Anfängerin – es war die erste Filmrolle der Künstlerin. Sie wurden ein Traumpaar – auf der Leinwand und abseits davon. 1945 wurde geheiratet, bald kamen zwei Kinder. Tatsächlich schienen sie wie füreinander gemacht: der schnoddrige, etwas kantige Bogart und Bacall mit ihren markanten Gesichtszügen, der rauchigen Stimme und dem selbstbewussten Witz einer Frau, die weiß, wie es zugeht in der Welt.

Bacall wurde eine der Heldinnen der „Schwarzen Serie“ Hollywoods in den 40er-Jahren. Sie passte perfekt in diese düsteren Filme voller verlorener Seelen und zerbrochener Träume – als Frau, die die Dinge und die Männer so nimmt, wie sie eben kommen. Ein bisschen desillusioniert, aber keineswegs verzweifelt oder mutlos. Eine gestandene Frau, die loyal war, aber nicht naiv und einen Blick hatte, der erkennen ließ, dass auch sie bereit war, sich zu holen, was ihr gefiel. Obwohl sie Klassiker wie „Tote schlafen fest“, „Gangster in Key Largo“ oder „Wie angelt man sich einen Millionär?“ prägte, wusste man in Hollywood oft nicht so recht, was man mit ihr anfangen sollte. Zudem machte sie es den Produzenten schwer, weil sie Projekte zugunsten ihrer Kinder und ihres sterbenskranken Mannes oft absagte. „Man muss im Leben Entscheidungen treffen“, hat sie das einmal lakonisch kommentiert, und da sprach keine Verbitterung oder Enttäuschung aus ihr.

Woher diese Selbstgewissheit und entspannte Lebenssicht rühren, ist schwer zu ergründen. Am 16. September 1924 wurde sie als Betty Joan Perske in eine jüdische Mittelschichtfamilie hineingeboren, wuchs in Brooklyn auf und wollte zuerst Tänzerin werden. Ihr gutes Aussehen durchkreuzte diesen Plan; sie wurde als Model gebucht und fiel so dem Regisseur Howard Hawks auf, der sie für „Haben und Nichthaben“ verpflichtete. Übereinstimmend berichteten alle, dass Bacall schon am ersten Tag im Studio selbstbewusst auftrat. Sie war einfach so. Sie hatte Haltung und Humor, den sie nie verloren hat, trotz aller Nackenschläge. Ihre zweite Ehe mit Schauspielkollege Jason Robards scheiterte 1969, sie musste unverständlicherweise bis 1997 auf eine Nominierung für den Oscar warten, und in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren waren die Filmangebote oft so bescheiden, dass sie lieber Theater spielte.

Beklagt hat sie sich nie, höchstens Witze gemacht über das Showgeschäft, die neuen Stars und vor allem das Fernsehen, das sie verachtete. Das war amüsant, weil sie genauso schlagfertig und spitzzüngig war, wie man sich das so vorstellte. Zuletzt lebte sie alleine, und als man sie danach fragte, ob ihr das gefalle, antwortete sie: „Nein. Für eine Frau ist das Leben erst mit einem richtigen Mann an der Seite vollständig. Aber wo treibt man heutzutage einen richtigen Mann auf?“ Ein richtiger Mann, das musste sie gar nicht erst dazu sagen, war natürlich „Bogie“. Nun ist Bacall mit 89 Jahren in New York gestorben und man darf in ihren Worten sagen – sie war eine richtige Frau.

Zoran Gojic

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