Nackt backen

- Frauen gesetzten Alters, die Marmelade einkochen, sind nicht außergewöhnlich. Junge Mädchen, die sich für Kalenderblätter ausziehen, auch nicht. Kombiniert man aber beides und veröffentlicht einen Fotokalender, auf dem jeden Monat eine andere Dame jenseits des Haltbarkeitsdatums splitterfasernackt beim Kuchenbacken zu besichtigen ist, handelt es sich um einen Skandal. Zumindest in der ehrenwerten Grafschaft Yorkshire, in der "Kalender Girls" spielt.

<P>Die monatlichen Vorträge des britischen Frauenverbandes sorgen für geringe Abwechslung im öden Einerlei des Dörfchens Knapeley. Die Freundinnen Chris (Helen Mirren) und Annie (Julie Walters) machen sich gerne über die Monologe zur Geschichte der nordenglischen Milchwirtschaft oder der Entwicklung des Broccoli seit der Völkerwanderung lustig. Die beiden sind es auch, die mit ihrer Idee des Pin-Up-Kalenders für Furore sorgen. Das Projekt wird ein Erfolg, doch die Freundschaften im Frauenclub geraten in erhebliche Schieflage . . .</P><P>Eine hübsche kleine Geschichte, die zudem auf einer wahren Begebenheit basiert, erzählt Regisseur Nigel Cole in seinem zweiten Spielfilm. Angesichts des Plots inszeniert Cole seinen charmanten Streifen ohne scharfe Kanten oder große Überraschungen, sondern risikoarm im Stile von britischen Kassenschlagern wie "Ganz oder gar nicht". Dennoch überzeugt "Kalender Girls" durch seine pfiffig gesetzten Schnitte, die schlagfertigen Dialoge und den ruhigen Erzählfluss.</P><P>Cole behandelt Themen wie den Verlust des Ehemannes oder das Zerbrechen von Freundschaften mit einer nie tief schürfenden, aber immer liebenswerten Art. Er beobachtet seine Figuren mit all ihren belanglosen Problemchen und riesigen Sorgen, geht mit der Kamera ganz nah an die Gesichter heran _ um wieder ein paar Schritte zurückzutreten und die Distanz herzustellen, die eine gelungene Komödie benötigt. (In München: Maxx, Kino Solln, Gloria, ABC, Atelier i.O., Cinema i.O.)</P><P>"Kalender Girls"<BR>mit Helen Mirren, Julie Walters,<BR>Penelope Wilton<BR>Regie: Nigel Cole<BR>Sehenswert </P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Star Wars: Episode VIII“: So lautet der offizielle Titel
Los Angeles - Der achte, reguläre Teil des Weltraumabenteuers „Star Wars: Episode VIII“ soll im Dezember 2017 anlaufen. Bereits jetzt hat Disney den Titel des Films …
„Star Wars: Episode VIII“: So lautet der offizielle Titel
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos

Kommentare