Das nächste Monster bitte

- Dunkel war's, der Mond schien helle, als der Welt berühmtester Monsterjäger Van Helsing zur Tat schritt. Nachdem er im Handstreich Dr. Jekyll alias Mr. Hyde im Glockenturm zu Nô^tre Dame in Paris zur Strecke brachte, ist jetzt Graf Dracula an der Reihe, dem der tapfere Vampirgegner die Flötentöne beibringen will. Nur wenige Minuten nach seiner Ankunft in dem transsylvanischen Dörfchen am Fuße der Burg des Untoten hat Van Helsing die Bräute des Grafen gegen sich aufgebracht. Antiken Rachegöttinnen gleich sausen sie auf den Furchtlosen hernieder. Eine junge Maid namens Anna (Kate Beckinsale) ist zu retten, und auch sonst bietet sich Van Helsing allerlei Option zum Zweikampf.

<P>Professor Abraham van Helsing ist die Hauptfigur in Bram Stockers "Dracula"-Roman. Ein Haudegen wie der, den Hugh Jackman hier darstellt, war Stockers Van Helsing nicht. Aber das Actionspektakel, das in "Van Helsing" auf den Zuschauer einprasselt, erinnert ohnehin nur noch in Spurenelementen an die literarische Vorlage. Ohne jede Angst vor dem Plagiat mixt Regisseur Stephen Sommers alles, was entfernt mit Mystik oder Monstern zu tun hat. Heraus kam eine eigentümliche Mischung aus Filmzitaten, elegant choreographierten Prügelszenen und unbeabsichtigter Komik.<BR><BR>Dabei ist der Anfang exzellent, die Stimmung hervorragend komponiert, wenn als Reminiszenz an das expressionistische "Frankenstein"-Original der böse Doktor und sein Monster die Feuersbrunst in der Windmühle scheinbar nicht überleben. Da zeigt Sommers, was er kann, wenn er klare Vorgaben hat. Der Rest des Films zerfällt in zwei Teile: den halbwegs guten und den ganz schlimmen.<BR><BR>In ersterem gibt Jackman den Van Helsing als katholische Variante von James Bond. Jackman konnte sich damit anscheinend nicht anfreunden, deswegen spielt er die meiste Zeit derart verhalten, als wäre er gar nicht da. Kate Beckinsale trägt den Film auch nicht. Ihre Verkörperung der Amazone Anna leitet über in den zweiten, wirklich peinlichen, weil unfreiwillig komischen Teil. Richard Roxburgh als Graf Dracula ist eine der tragischsten Fehlbesetzungen der Kinogeschichte seit Marlon Brando in "Desiré´e". Die eitle Theatralik des Vampirs gerinnt Roxburgh zur zickigen Hysterie, und in den meisten Szenen wirkt Dracula daher nicht verstörend-unheimlich und gefährlich, sondern nur so dämlich wie Ozzy Osbourne heute. Das reicht für MTV - für ein aufgeblasenes Horror-Actionspektakel jedoch nicht. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Gloria, Münchner Freiheit, Autokino, Cinema i.O., Museum i.O., Gabriel.)<BR><BR>"Van Helsing"<BR>mit Hugh Jackman, Kate Beckinsale, Richard Roxburgh<BR>Regie: Stephen Sommers<BR>Erträglich </P><P> </P>

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