Im Nein liegt eine große Kraft

- Sebastian Koch (44) hat in München an der Falckenbergschule Schauspiel studiert und sich danach auf der Bühne, im Kino und vor allem im Fernsehen stetig nach vorne gespielt. Den großen Durchbruch hatte er mit historischen TV-Dramen wie "Die Manns", "Speer und er" oder "Stauffenberg". In "Das Leben der anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck spielt Koch einen fiktiven DDR-Schriftsteller, der zum Ziel einer Abhöraktion der Stasi wird. Der Film läuft morgen in den Kinos an.

Sebastian Koch: Sie sind vom Münchner Merkur! Da hab ich meine erste gute Kritik bekommen. Ich glaube, es war für "Aufruhr in Schnauzhaltersheim", ein Kinderstück.

Über "Das Leben der anderen" heißt es oft, es sei der erste Film, der sich authentisch mit der DDR auseinandersetze. Teilen Sie diese Einschätzung?

Koch: Es ist auf jeden Fall eines der besten Bücher, die ich seit langem auf den Tisch bekommen habe. Intelligent, seriös und doch mit einer gewissen Leichtigkeit. Und eine Rolle wie diesen ambivalenten Schriftsteller Dreyman mit Leben zu füllen, ist nun eine wirklich schöne Aufgabe.

Weder ist dieser Dreyman ein echter Widerständler, noch unterstützt er das DDR-System wirklich . . .

Koch: Für einen Schauspieler ist das ja gerade die Herausforderung. Hier gibt es kein klares Gut oder Böse. Es steckt beides in allen Beteiligten, wie das eben so ist im Leben. Und so einen uneindeutigen Charakter zu spielen, ist natürlich reizvoll.

Wie ist es für jemanden aus dem Westen, sich in eine DDR-Existenz einzuarbeiten?

Koch: Es ist bestimmt anders, als wenn man das erlebt hat. Auch wenn ich mittlerweile viele persönliche Beziehungspunkte zum Osten habe, spiele ich das sicher mit einer anderen Distanz als Ulrich Mühe oder Thomas Thieme, die die DDR aus eigener Erfahrung kennen.

Hatten Sie Bedenken bei so einem komplexen Thema mit einem Regisseur zu arbeiten, der damit sein Spielfilmdebüt gibt?

Koch: Nein, Bedenken hatte ich nicht. Wer so ein gutes Drehbuch geschrieben hat, kann kein schlechter Regisseur sein. Aber ich war gespannt, wie er das hinbekommen würde. Es ist schon faszinierend: Er ist ein warmer, freundlicher Mensch, der aber hartnäckig so lange weitermacht, bis er bekommt, was er möchte. Eine interessante Mischung.

Sehen Sie die Diskussion um die Stasi-Akten anders, nachdem Sie diesen Film gedreht haben?

Koch: Wesentlich ist, dass wir uns nicht als Beschützer der Opfer aufspielen. Wäre ich Opfer einer Abhörattacke geworden, würde ich gerne selber entscheiden dürfen, wie ich damit umgehe. Das muss hier niemand übernehmen, schon gar nicht sollten das die Medien tun. Ich finde es nicht richtig, wenn öffentlich angeklagt oder verurteilt wird. Die Menschen, die es betrifft, müssen Stellung beziehen, nur so kann es funktionieren.

Wenn man sich Ihre Projekte der letzten Zeit ansieht, könnte man glauben, Sie wollten die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts aufarbeiten.

Koch: Das sieht fast wie ein Plan aus, ich weiß. Aber so ist es nicht. Ich bin Schauspieler und versuche, die besten Rollen für mich zu finden. Ich denke nicht daran, eine gute Rolle abzusagen, nur weil die Gefahr besteht, dass man mich in eine Schublade steckt. Ich habe ja auch vieles abgelehnt, was lukrativ war, aber schauspielerisch uninteressant. Im Nein liegt ebenfalls eine große Kraft.

Ihre Haltung hat sich ausgezahlt, Sie feiern seit Jahren große Erfolge.

Koch: Ich habe den Beruf nie ausgeübt, um Karriere zu machen, sondern weil es mir Spaß macht. Dass das zu einer Karriere wurde, hat geholfen, an bessere Stoffe zu kommen. Und an Vertrauen.

Vertrauen wofür?

Koch: Früher musste ich unglaublich darum kämpfen, um Zeit zu erhalten, die ich brauche. Ich bin keiner von denen, die gleich am Anfang versuchen, etwas perfekt hinzulegen. Ich gestatte mir auch, ziemlich schlecht zu sein am Anfang und etwas zu entwickeln. Wenn man einen gewissen Namen hat, ist das nicht mehr so schwierig.

Wie gehen denn die Regisseure damit um?

Koch: Die wirklich guten Leute arbeiten ohnehin fast alle so. Das ist ein Kontakt zwischen Schauspielern und dem Regisseur, das muss sich gemeinsam ja erst entwickeln. Es gibt viele Menschen, die wissen, wie es geht. Ich mag diejenigen, die glauben zu wissen, wie es geht. Denn bei denen hat man eine Chance, mit von der Partie zu sein, gemeinsam zu arbeiten.

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