"Nemo" auf Erfolgswelle

- Hamburg - Der knallorange Fisch mit den weißen Streifen ist ein guter Fang - technisch wie finanziell: Das Trickfilm-Abenteuer "Findet Nemo" ist nach dem besten Kinostart 2003 in Deutschland direkt auf Platz eins der Kinocharts gelandet. Die Lager der Merchandising-Produkte sind eine Woche nach dem Filmstart bereits leer. Auch in den Geschäften werden die Nemo-Artikel gut verkauft. Die echten Fische blieben vom "Nemo-Fieber" bisher jedoch verschont.

Die Plüsch-Varianten von Nemo und seinen Freunden sind mit einem Drittel aller Merchandising-Produkte der Verkaufsschlager, teilte der Filmverleih Buena Vista mit. Die kuscheligen Wassertiere können sprechen und mit ihren Flossen wackeln. Der kleine Nemo schnarcht sogar per Knopfdruck. Bei dem Spielwaren-Einzelhändler Toys"R"Us sind schon alle Tiere ausverkauft. "Der Verkauf übertrifft die Erwartungen", erklärte Buena Vista. Konkrete Zahlen gebe es zunächst nicht. Auch bedruckte Bettwäsche und Sweat-Shirts, Puzzles und Stifte verkaufen sich gut. <P>2,58 Millionen Menschen haben sich den fantasievollen Unterwasser- Trip nach Angaben des Filmverleihs in der ersten Woche angesehen. In den USA spielte der Kinohit aus der Produktionswerkstatt Pixar 340 Millionen Dollar ein und wurde damit zum erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten.</P><P>Der von Tierschützern befürchtete vorweihnachtliche Ansturm auf die empfindlichen Meerestiere ist bisher jedoch ausgeblieben. Die echten Clownfische schwimmen immer noch bei langjährigen Aquarianern und in Tierhandlungen - und nicht in Kinderzimmern. "Es kommen nicht mehr Kunden, denn das sind immer noch Seewasserfische und keine Süßwasserfische, die man in einem kleinen Aquarium auf Papas Schreibtisch halten kann", sagt Ingo Schulz. Der Berliner Tierhändler verkauft etwa 10 Clownfische im Monat - aber nur an Aquarianer mit der richtigen Ausrüstung.</P><P>"Bevor jemand die Tierchen mitnehmen darf, muss er bis zu 2000 Euro für die Hardware ausgeben", sagt auch Jörg-Morten Riedell, Experte für Seewasserfische in einer Hamburger Tierhandlung. Ein großes Aquarium und spezielle Filter seien für die tropischen Fische lebenswichtig. Leitungswasser sei für die Meerwasserfische zu dreckig und muss in einer so genannten Osmose-Anlage gesäubert und dann mit einer speziellen Salzmischung versehen werden. Das ist nichts für Ungeduldige: "Das Einlaufen eines neuen Meerwasserbeckens dauert drei Monate, bevor das Tier überhaupt rein darf", sagt der Fachmann. Erst dann habe sich das lebensnotwendige Biotop entwickelt.</P><P>Der Deutsche Tierschutzbund riet von dem Kauf von Clownfischen als Haustiere für Kinder ab. Da die exotischen Fische in Gefangenschaft kaum zu züchten seien, handele es sich bei den meisten Tieren in den Zoofachgeschäften zudem um Wildfänge. Etwa 70 Prozent der Tiere überlebten die Strapazen des Transports über Tausende Kilometer aus dem Pazifik nicht.</P><P>Kinder bevorzugen offenbar sowieso die Plüsch-Variante. Die hat auch einen treuherzigeren Blick: Damit das Publikum eine Beziehung zu den Figuren aufbauen kann, wurden die Augen der Fische von der Seite des Kopfes in das Gesicht versetzt. Die Bewegung der zusätzliche Augenbrauen lässt im Film zudem den Gemütszustand erkennen.</P><P>Die Gefühle der echten Anemonenfischen zu erkennen, ist schwieriger. Tierliebe Verkäufer wie Kathrin Terletzki in Hamburg verhindern das Schlimmste. "Ein Fall war krass: Da kommen die Leute und sagen wir haben eine Gartenteich und wollen für unsere Tochter einen Clownfisch haben - denen haben wir keinen verkauft."</P>

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