Nicholson schaltet auf Autopilot

- Filme über Psychiater haben Konjunktur in Hollywood: Da der erste Teil von "Reine Nervensache" mit Billy Crystal als Seelenklempner und Robert De Niro in der Rolle des angstgebeutelten Mafioso erfolgreich war, fabrizierte man im letzten Jahr flugs eine Fortsetzung gleichen Titels. Nicht viel weiter zurück liegt der oscarprämierte "Besser geht's nicht" mit Jack Nicholson als von Aggressionen und Phobien geplagter Schriftsteller, der sich auf einmal seiner Nemesis in Form des betont emotionalen und homosexuellen Nachbarn gegenüber wiederfindet.

<P>Peter Segals "Die Wutprobe" scheint (nicht nur) auf den ersten Blick ein geschickt zusammengebasteltes Konglomerat dieser drei Komödien zu sein. In loser Anlehnung erzählt Segal die Geschichte des liebenswürdig-servilen Angestellten Dave (Adam Sandler), der sich von seinem Chef täglich ohne jeden Widerspruch demütigen lässt. </P><P>Eine seltsame Kette von Zufällen und Missverständnissen während eines Fluges bringt Dave erst in Rage, deswegen vor Gericht und schließlich in die Fänge von Dr. Rydell (Jack Nicholson), den charismatischen Gruppenleiter eines Anti-Aggressions-Seminars. Der hätte allerdings einen Kurs über feinfühliges Verhalten nötiger als sein Schüler.<BR><BR>Doch auch wenn die Parallelen zu früheren Filmen in manchen Szenen offensichtlich sind, kann Segals Konzept mitsamt seinen Schenkelklopfer-Gags überzeugen: Stärker noch als bei den vorherigen Gegensatz-Pärchen ist hier allein die Kombination der Hauptdarsteller ein Glücksgriff. </P><P>Brachialhumorist Sandler spielt den gänzlich hilf- und harmlosen Kerl, und Jack Nicholson - der ist einfach genial wie immer, auch wenn er diesmal auf Autopilot geschaltet hat und einfach nur zum x-ten Male den Extremen gibt.<BR><BR>Das Problem dieser recht amüsanten Psychiaterposse ist aber gerade die Tatsache, dass der sein Routine-Programm abspulende Nicholson das tut, was er immer in Filmen mit schwachem Regisseur macht: Er drückt alle anderen Akteure an den Rand. Nach Verlassen des Kinos kann man sich schon nicht mehr erinnern, ob Sandler in der sehr konventionell-kitschig geratenen Schlussszene überhaupt noch anwesend war. War er. Aber bedeutsam war er nicht. </P><P>- läuft in folgenden Kinos</P><P>"Die Wutprobe"<BR>mit Adam Sandler, Jack Nicholson<BR>Regie: Peter Segal<BR>Annehmbar </P>

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