Nicht ganz ernst genommen

Penélope Cruz: - Besser hätte das Jahr für Penélope Cruz kaum anfangen können. Zunächst wurde sie für ihre Rolle in Pedro Almodóvars neuestem Film "Volver" als erste spanische Schauspielerin überhaupt für den Oscar nominiert. Anschließend brachte ihr derselbe Streifen den spanischen Goya-Preis ein. Und dann wurde bekannt, dass Woody Allen sie als neue Muse für seinen nächsten Film verpflichtet hat, der in diesem Sommer in Barcelona gedreht werden soll.

"Sie erinnert mich an die junge Sophia Loren", soll der US-Kultregisseur voller Begeisterung gesagt haben, nachdem er sie in "Volver" gesehen hatte.

"Dass jemand wie ich es jemals so weit bringen könnte, hätte ich nicht gedacht", sagt die 32-Jährige. Cruz wuchs in bescheidenen Verhältnissen im Madrider Vorort Alcobendas auf. Der Vater ist Kaufmann, die Mutter Friseurin. Allerdings wusste die hübsche Spanierin schon sehr früh, dass sie Schauspielerin werden wollte.

Als sie mit 15 Jahren in einem Talentwettbewerb unter 300 Mädchen ausgewählt wurde, um in einem Videoclip der Popband Mecano mitzuwirken, brach sie die Schule ab. Später moderierte sie eine Jugendsendung im Fernsehen. Nebenher studierte sie klassisches Ballett und spanischen Tanz. Mit 17 war "Pe", wie sie von ihren Freunden genannt wird, in Spanien bereits zum Sexsymbol avanciert: Ihre erotischen Szenen im Film "Jamón, Jamón" an der Seite von Javier Bardem machten sie in ihrer Heimat über Nacht zur gefragten Nachwuchsdarstellerin.

Aber die Nacktszenen allein waren dafür nicht ausschlaggebend. "Schon damals strahlte sie eine unglaubliche Kraft und Authentizität vor der Kamera aus", sagt der zweifache Oscar-Preisträger Almodóvar, der in Cruz eher eine Mischung aus Audrey Hepburn und Sophia Loren sieht.

"Meinen Durchbruch habe ich ihm zu verdanken. Er holt das Beste aus mir als Schauspielerin heraus", weiß die 32-Jährige. In "Volver", einem Film über Freud und Leid dreier Frauengenerationen einer Familie, zeige Cruz in der Rolle der resoluten Raimunda die bislang beste schauspielerische Leistung ihrer Karriere, lobt die Kritik einhellig. So sieht es auch Almodóvar, dessen weibliche Darstellerinnen in dem Streifen bereits in Cannes ausgezeichnet wurden. "Mitzuerleben, wie Penélopes vor Zorn stechende Augen sich von einem Augenblick auf den nächsten plötzlich mit Tränen füllen, ist einmalig."

Kein Wunder, dass Almodóvar sie bereits für seinen nächsten Film, "La piel que habito" (Die Haut, in der ich lebe), engagiert hat. Mit der Nominierung für einen Oscar kann die 1,68 Meter große Buddhismus-Anhängerin Cruz nun auch auf einen Durchbruch in den USA hoffen. Dort hat sie bislang vor allem wegen ihrer Beziehungen mit Tom Cruise oder Matthew McConaughey Schlagzeilen gemacht. Zwar hat sie gegen die Favoritin Helen Mirren ("The Queen") nur eine Außenseiterchance. Aber schaden wird die Kandidatur ihrer Karriere nicht.

Ihr Debüt in Hollywood gab die 32-Jährige 1998 in dem Western "Hi-Lo Country" von "The-Queen"-Regisseur Stephen Frears. Es folgten Filme mit Matt Damon, Johnny Depp, Nicolas Cage, Tom Cruise oder zuletzt mit ihrer Freundin Salma Hayek ("Bandidas"). Große Erfolge wurden sie alle nicht. Almodóvar: "Als Schauspielerin hat man sie dort noch nicht richtig ernst genommen." Das könnte sich nun ändern.

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