Ich bin nicht komisch

- Noch als Student in Oxford machte Rowan Atkinson auf sein komisches Talent aufmerksam und bekam 1979 seine erste Fernsehsendung. Seitdem ist der heute 48-Jährige in Großbritannien eine Institution. Weltberühmt wurde er mit der TV-Serie "Mr. Bean". Morgen startet seine James-Bond-Parodie "Johnny English" in unseren Kinos.

<P>Ist es nicht riskant, eine 007-Parodie zu drehen, wo doch die neuen Bond-Filme ohnehin recht selbstironisch sind?<BR>Atkinson: Die Bond-Filme müssen so sein. Der Stil stammt aus den 50er-Jahren und passt im Grunde nicht mehr in unsere Zeit. In "Johnny English" übertreiben wir das noch ein bisschen. Ich sehe den Film keineswegs als alberne Parodie. Es ist mehr ein gut gemachter Agentenfilm, in dem eben auch sehr viel Komisches passiert. Unterbrechen Sie mich ruhig, ich neige zu langatmigen Antworten.</P><P>Was macht am meisten Spaß, wenn man einen britischen Super-Agenten spielt?<BR>Atkinson: Um ehrlich zu sein, macht mir am Prozess des Filmemachens eigentlich gar nichts Spaß. Es ist eher Stress, weil ich mir immer Sorgen mache, ob ich etwas nicht noch besser spielen könnte.</P><P>Das klingt nach dem Klischee vom Komiker, der privat eher mürrisch ist.<BR>Atkinson: In meinem Fall ist das sicher so, fürchte ich. Es gibt Kollegen - Robin Williams fällt mir ein -, die auch privat unglaublich komisch sind. Ich bin nicht so. Die Figur, über die das Publikum lacht, bin nicht ich. Privat nehme ich alles sehr ernst. Meistens jedenfalls.</P><P>Und wie weiß man als Komiker, was lustig ist?<BR>Atkinson: Purer Instinkt. Man muss auf sein Gefühl vertrauen. Wenn sich etwas komisch anfühlt, macht man es. Das ist wahrscheinlich angeboren. Das kann man nicht auf einer Komik-Schule lernen. Es ist ein Keim, den die Lebenserfahrung zur Blüte treibt. Und man muss kompromisslos sein in dem, was man tut.</P><P>Wer sind Ihre Vorbilder?<BR>Atkinson: Jacques Tati. Als ich seine "Monsieur Hulot"-Filme als Kind gesehen habe, verspürte ich in mir den Drang, auch so etwas zu machen, aber eben auf meine Weise. Letztlich gibt es nur sieben verschiedene Gags. Und alles, was man selber macht, ist nur eine Variation von dem, was ein anderer schon einmal getan hat. Der Trick ist, mit eigener Energie die Leute so zu täuschen, dass sie glauben, sie würden den Gag zum ersten Mal sehen.</P><P>Worüber machen Sie keine Witze?<BR>Atkinson: In allem ist Komik versteckt, man muss sie nur herauskitzeln. Es gibt Komik bei Beerdigungen, im Krieg. Man findet eine ungewöhnliche Perspektive _ und plötzlich ist es urkomisch. Es ist eine wertvolle Sache, über alles lachen zu können.</P><P>Auch über den Irak-Krieg?<BR>Atkinson: Im Moment natürlich nicht. Komik ist eine Frage des Timings. Aber das wird noch kommen, Sie werden sehen. Da fällt mir ein: "Krieg gegen Irak" sind bisher die einzigen Worte Deutsch, die ich hier gelernt habe.</P><P>Es gibt Komiker, die verzweifelt zu beweisen versuchen, dass sie ernste Rollen meistern können. Geht es Ihnen auch so?<BR>Atkinson: Ich sehe mich nicht als Komiker, sondern als Schauspieler, der gut komische Rollen spielen kann. Egal ob lustige oder tragische Figuren: Das Handwerkszeug ist dasselbe. Aber ich habe nicht das Bedürfnis, um jeden Preis eine ernste Rolle zu spielen.</P><P>So gewinnt man nie einen Oscar.<BR>Atkinson: Ach, das ist schon in Ordnung.</P><P>Das Gespräch führte Zoran Gojic</P>

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