Nicht auf meiner Farm

- Ein Mädchen steht in einem Maisfeld. Die Pflanzen bilden einen grünen Dschungel, der das Kind weit überragt. Eine solche Szene könnte in den Filmen vieler Regisseure vorkommen. Doch es geht noch weiter: Bedrohlich rauschen die riesigen Pflanzen im Wind, der Himmel scheint sich zu verfinstern, und ein geheimnisvolles Surren liegt in der Luft. Keine Frage, gleich geschieht diesem niedlichen Mädchen irgendetwas Schreckliches - aber dann, alles vorbei, die fast schon körperlich fühlbare Spannung löst sich abrupt auf, als der Vater Graham Hess alias Mel Gibson seine Tochter im Maisfeld entdeckt.

<P>Wir befinden uns in einem Film von Manoj Night Shyamalan, der seit seinem furiosen Debüt "The Sixth Sense" als amtierender Meister des Suspense gilt, jener raffinierten Technik, den Zuschauer ständig in Hochspannung zu versetzen, die Hitchcock so brillant einzusetzen verstand. Wie in "The Sixth Sense" und "Unbreakable" sucht Shyamalan auch in "Signs" die Verbindung von Übernatürlichem mit dem persönlichen Schicksal einiger Menschen. Und wieder versteht es der Regisseur, das amerikanische Alltagsleben mit einer derart mystisch-bedrohlichen Aura zu umgeben, dass der Zuschauer nicht mehr unterscheiden kann zwischen Realität, Hysterie und übersinnlichen Phänomenen.</P><P>Diesmal steht der Witwer Graham Hess im Mittelpunkt, der mit seinem Bruder Meryll (Joaquin Phoenix) und seinen zwei Kindern Bo und Morgan auf einer Farm in Pennsylvania lebt. Fassungslos entdeckt Graham eines Morgens in seinem Maisfeld ein riesiges Muster aus verschiedenen Linien. Die Herkunft des Zeichens ist unerklärlich, und die pragmatischen Hess-Brüder sind nicht bereit, sich von der anrückenden Presse verunsichern zu lassen. "Übersinnliche Phänomene? Nicht auf meiner Farm!", erklärt Graham barsch. Natürlich ist das noch lange nicht das Ende vom Lied, denn die unheimlichen Vorkommnisse häufen sich. Im Hause der Familie Hess und überall auf der Welt, wie Meryll abends im Fernsehen erkennt. Unweigerlich werden die vier Farmbewohner hineingezogen in einen Sog diffusen, paranormalen Grauens.</P><P>Dieses spirituell angehauchte Kino ist zwar Shyamalans Markenzeichen, war aber nicht seine Erfindung. Durch Serien wie "Akte X" wurde die moderne Sehnsucht nach Remystifizierung unserer so nüchternen Welt beschworen. Shyamalan hat nur dafür gesorgt, dass diese Ideen nicht mehr ein tristes Dasein im Programm obskurer Privatsender fristen müssen, sondern das Thema für einen abendfüllenden Film abgeben können. Da bieten sich die seltsamen Kornkreise, die immer wieder in Feldern auftauchen, natürlich als Sujet an.</P><P>In "Signs" führt Shyamalan den Zuschauer auf eine falsche Fährte, und aus dem virtuos inszenierten Gruselthriller wird rasch ein Drama, das sich mit existenziellen Fragen wie dem Leben nach dem Tod und dem Unterschied von Wundern und Zufällen beschäftigt. Solche Themen anzuschneiden und gekonnt in der Schwebe zu halten, darin liegt einerseits die Stärke Shyamalans. Andererseits ist die von Shyamalan erdachte, gebrauchsfertige Spiritualität in ihrer aalglatten und geradlinigen Universalgültigkeit auch das größte Problem des Films.</P><P>(In München: Marmorhaus, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Autokino, Cadillac, Cincinnati, Gabriel, Cinema i.O.)</P><P>"Signs"<BR>mit Mel Gibson, Joaquin Phoenix<BR>Regie: Manoj Night Shyalaman<BR>Sehenswert </P><P><BR> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Star Wars: Episode VIII“: So lautet der offizielle Titel
Los Angeles - Der achte, reguläre Teil des Weltraumabenteuers „Star Wars: Episode VIII“ soll im Dezember 2017 anlaufen. Bereits jetzt hat Disney den Titel des Films …
„Star Wars: Episode VIII“: So lautet der offizielle Titel
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos

Kommentare