Nicht populär genug

- Neun Hauptpreise, 25 Kandidaten, die höchsten Preisgelder, die der Bund für Kultur zu vergeben hat - der Deutsche Filmpreis, dessen Nominierungen Kulturstaatsministerin Christina Weiss heute bekannt gibt, kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen. Der traditionsreichste Kulturpreis der Republik ist allein dem "künstlerischen Rang" verpflichtet.

Dass die zwölfköpfige Jury mit ihren Entscheidungen nie völlig falsch liegt, hat sich immer wieder gezeigt, zuletzt auch durch den Oscar-Gewinn für den Vorjahressieger "Nirgendwo in Afrika". Trotzdem könnte die Verleihung am 6. Juni zur Abschiedsvorstellung des Preises in seiner jetzigen Form werden. Grund hierfür sind nicht etwa Sparzwänge, sondern die Pläne zur Gründung einer "Deutschen Filmakademie", die im Zuge des 2004 fälligen, neuen Filmfördergesetzes zur Entscheidung anstehen.

"Jurys sind besser als

breite Abstimmungen, die

den kulturellen Wert

nur verwässern würden."

Christian Petzold

Zweck der Akademie soll vor allem eine Umorientierung des Preises sein. "Glamouröser", "attraktiver" soll er werden - zumindest wenn es nach Produzent Bernd Eichinger ginge: Die Jury sei zu klein und der Deutsche Filmpreis nicht populär genug. 2002 stellte er seine Pläne zur Neuorganisation nach dem Vorbild des Oscar vor, der von etwa 2000 Akademiemitgliedern in mehrheitlicher Abstimmung vergeben wird. Freilich mit dem entscheidenden Unterschied, dass es für den Oscar kein Geld gibt, während Eichinger darauf besteht, die bisherigen staatlichen Preisgelder uneingeschränkt der Akademie zufließen zu lassen.

Julian Nida-Rümelin übernahm den Vorschlag prompt und vererbte ihn seiner Nachfolgerin. Nun hagelt es von mehreren Seiten Kritik. Die deutsche Filmbranche sei zu klein, um ohne Rücksicht auf Sympathien und Beziehungen zu urteilen, brachte Caroline Link schon 2002 das Dilemma auf den Punkt. Und Regisseur Christian Petzold, Preisträger 2001 für "Die Innere Sicherheit": "Jurys sind besser als breite Abstimmungen, die den kulturellen Wert nur verwässern würden."

Ähnlich äußert sich auch Bernd Neumann, in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Film zuständig: "Soll der Bundestag weiter Geld bezahlen, aber keinen Einfluss mehr haben?" Er sieht die Gefahr, dass der in der Satzung festgehaltene Kulturvorbehalt aufgegeben werden könnte und nur noch "Mainstream prämiert wird".

Von kleineren Produzenten hört man ebenfalls Kritik - nur leider will sich keiner zitieren lassen. Zu weit reicht der Einfluss Eichingers: "Wenn ich öffentlich sagte, was ich denke, bekäme ich keine Aufträge mehr", meint ein Münchner Produzent. Besorgt ist der Verband der deutschen Filmkritik. "Wir fürchten, dass ein Klüngelkreis die kulturelle Filmförderung des Bundes im Handstreich abschafft", so Vorstandsmitglied Josef Schnelle. "Dabei ist der Preis einst als Reaktion auf die Unfähigkeit der Branche entstanden, Filme von kulturellem Rang herstellen zu können."

In einem offenen Brief hat der Verband der Ministerin jetzt einen Fragenkatalog zur kulturellen Filmförderung präsentiert. Auf die Antworten darf man gespannt sein. Immerhin ist auch Christina Weiss, die womöglich nicht gut beraten wurde, den Richtlinien verpflichtet: "Die Filmförderung dient dem Ziel, den künstlerischen Rang des deutschen Films zu steigern und zur Verbreitung deutscher Filme mit künstlerischem Rang beizutragen." Die Diskussion darüber, wie das geschehen kann, hat erst begonnen.

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