Nicht vom Puder irritieren lassen

- Der Schwede Lasse Hallström (59) hat sich mit eigenwilligen Dramen wie "Gottes Werk und Teufels Beitrag" in Hollywood etabliert. In "Casanova", der heute anläuft, zeigt er sich nun von einer ungewohnt heiteren Seite.

Als manch einer hörte, dass es einen neuen Film um den Mythos "Casanova" gibt, brach nicht gerade große Begeisterung aus.

Lasse Hallström: Das ging mir auch so. Die erste Version des Drehbuchs hat mich nicht überzeugt. Es war flach und albern. Ich lehnte es zunächst ab. Aber die Idee des Frauenhelden, der ausgerechnet seine Traumfrau nicht erobern kann, ging mir nicht aus dem Kopf. Also beauftragte ich einen neuen Autor, der eine sehr schöne Version vorlegte.

Dies ist eine temporeiche Komödie, also etwas ganz anderes als Ihre bisherigen Filme. Wollten Sie Ihr Publikum überraschen?

Hallström: Vor allem wollte ich mich selber damit überraschen. Ich habe es als Herausforderung gesehen. Eine Komödie zu inszenieren, ist wirklich harte Arbeit, die mich letztlich zu meinen Anfängen zurückführte. So habe ich beim schwedischen Fernsehen begonnen.

Ist das Ihr Versuch, ein jüngeres Publikum zu erreichen?

Hallström: Ich frage mich schon, wie das junge Publikum so einen Film aufnimmt. Ein Kostümfilm, komplett in Venedig gedreht, das klingt nicht nach unbeschwerter Unterhaltung. Aber genau das ist es. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und hiermit erklären: Lassen Sie sich nicht vom Puder irritieren. Dieser Film macht Spaß.

Wenn man den Ruf hat, eigenwillige Filme mit einer unverwechselbaren Atmosphäre zu drehen: Hilft das in Hollywood oder macht es die Arbeit schwieriger?

Hallström: Das hängt wohl immer vom Einspielergebnis des jeweils letzten Films ab. Aber ich bin sicher, dass mir viele Projekte gar nicht erst angeboten werden, weil alle denken: Hallström, das ist doch der Kerl mit diesen verschrobenen Tragikomödien.

Also sind Sie ein Außenseiter in der US-Filmindustrie?

Hallström: Es ist ein endloser Kampf, ständig wird versucht, einem die künstlerische Kontrolle zu nehmen. Ich entscheide mich oft für etwas abwegige Stoffe, die in den Studios niemanden so recht interessieren. Aber sobald Geld im Spiel ist und wirklich gedreht wird, kommen sie alle an und wollen mitreden. Ich will gar nicht wissen, wie das bei den großen Kaugummi-Filmen zugeht. Diese "Blockbuster"-Filme bekäme ich ohnehin nicht hin. Ich werde auch nie gefragt. Ich bin ein Außenseiter, Sie haben recht.

In "Casanova" haben die Frauen das Sagen. Ein Zugeständnis an den Zeitgeist und das veränderte Verhältnis der Geschlechter im 21. Jahrhundert?

Hallström: Machen Sie sich nichts vor, junger Mann: Frauen waren immer schon das stärkere Geschlecht. Casanova war kein dominanter Macho. Er hat nicht erobert, er hat sich der Liebe hingegeben. Ich glaube, die Frauen liebten ihn, weil er zuhören konnte und sie respektierte. Ein Mann, der bei Frauen ankommt, ist einer, der sie ernst nimmt. Das ist heute nicht anders. Nur war es früher ungewöhnlich für einen Mann. Insofern halte ich Casanova für einen Pionier. Man kann viel von ihm lernen.

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