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Devid Striesow und Lotte Becker als Vater und Tochter.

Für Fans von "Ich bin dann mal weg"

"Nichts passiert": Beim Fondue hört der Spaß auf

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München - Devid Striesow brilliert in der Tragikomödie „Nichts passiert“, die in einem bitterbösen, tiefschwarzen Horrortrip endet. Unser Film der Woche.

Mit der charmanten Liebeskomödie „Die Standesbeamtin“ gelang dem Schweizer Regisseur Micha Lewinsky 2009 auch außerhalb seiner Heimat ein beachtlicher Erfolg. Sieben Jahre später schlägt der Filmemacher in „Nichts passiert“ vollkommen andere Töne an. Das Komödiantische, Leicht-Hingeworfene liegt Lewinsky sehr. Das spürt man auch diesmal. Aber in „Nichts passiert“ vergeht einem das Lachen immer wieder. 

Zu verheerend ist, was die Hauptfigur, der biedere Familienvater Thomas (Devid Striesow), in seinen Ferien alles erlebt. Völlig zu Recht ging Lewinsky das Wagnis ein, den gesamten Film stark auf die Hauptrolle zuzuschneiden. Striesow stemmt die Herausforderung scheinbar mühelos. Sein Thomas ist anfangs ein sympathisches Weichei, ein liebenswürdiger Softie, den keiner in seiner Umgebung richtig ernst nimmt. Weder Chef noch Ehefrau noch halbwüchsige Tochter. Bis sich die unangenehmen Ereignisse überschlagen und der liebe Thomas auch mal ein bisschen garstig wird, weil ihm alle seinen Urlaub mit Skivergnügen und Käsefondue verderben. 

Originelles Drehbuch, fabelhafte Dialoge

Die Charakterzeichnung ist vielschichtig und stimmig, die auf Thomas einstürzenden Probleme scheinen bis zu einem bestimmten Moment absolut plausibel. Das Drehbuch ist wirklich originell, und die Dialoge sind fabelhaft geschrieben. Durch das geschickte Miteinbeziehen des Zuschauers baut Lewinsky eine subtile Spannung auf, die diese sanfte Tragikomödie in einen bitterbösen, tiefschwarzen Horrortrip verwandelt.

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