Kinotrailer und Filmkritik

"Nightcrawler": Die Jagd nach blutigen Bildern

In Dan Gilroys „Nightcrawler“ beweist Jake Gyllenhaal einmal mehr, dass er in die oberste Darstellerriege gehört. Einen Vorgeschmack gibt es im Kinotrailer.

Ein Nightcrawler ist ein Mensch, der seine Nächte damit zubringt, den Polizeifunk abzuhören. Dort erfährt er von Verbrechen, Unfällen und rast sofort mit seinem Auto los, um das Geschehen mit der Videokamera zu filmen. Aus jedem Unglück anderer lässt sich noch Kapital schlagen. Und so verkauft er diese Filmchen dann an die Nachrichtensendungen der Fernsehsender.

In Dan Gilroys Thriller „Nightcrawler“ lernt der schmierige Gelegenheitsdieb Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) durch Zufall erstmals diese unterste Stufe des Reporterdaseins kennen: Nach einem nächtlichen Unfall auf dem Highway beobachtet er die herannahenden Autos – in jedem sitzt ein Kerl mit Kamera. Alle schubsen sich rund um das schwer verletzte Opfer im Kampf um die direktesten, blutigsten Aufnahmen, die sie per Handy sofort an diverse TV-Stationen verkaufen. Lou erkennt seine Chance, kauft sich eine entsprechende Ausrüstung und zieht los. Bald schon loben die Sender „sein gutes Auge“ für die möglichst schonungslos abgefilmten Opfer. Ohne Empathie oder Gewissen geht Lou immer ganz nah ran, drapiert die Leichen oder Sterbenden ein wenig anders, damit seine Filmbilder noch drastischer erscheinen.

Regisseur Dan Gilroy erzählt sein intelligent komponiertes Spielfilmdebüt ausschließlich aus Lous Perspektive. Das Wagnis, dem Zuschauer als einzige Identifikationsfigur in dieser knallharten Medienkritik den wohl unsympathischsten Charakter der Filmhistorie anzubieten, geht aber auf. Dank Jake Gyllenhaal. Der jüngste Sprössling einer alten schwedischen Adelsdynastie hat sich längst in die oberste Darstellerriege Hollywoods gespielt. In „Nightcrawler“ beweist er nachdrücklich, dass seine Oscar-Nominierung für „Brokeback Mountain“ im Jahr 2006 kein Zufall war, sondern er diese Auszeichnung längst verdient hätte.

Gyllenhaal scheint mit dem erbarmungslosen Windhund Lou förmlich zu verschmelzen. Seine Physis und Mimik verändern sich zusehends im Lauf dieses wilden Thrillers mit bitterem Nachgeschmack. Dennoch bleibt der Zuschauer interessiert. Dafür sorgt der umwerfend klar geäußerte Pragmatismus der Figur, ihre immer durchscheinende Sehnsucht nach Anerkennung und vor allem nach Nähe.

Ulricke Frick

Rubriklistenbild: © Concorde Filmverleih GmbH

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