Bombenalarm am Gymnasium Tutzing - Polizei räumt Schule

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing - Polizei räumt Schule

Ohne Kopftuch

- Wenn man die Augen schließt, steigt süßer Duft in die Nase. Darum sollte man das tun, irgendwann einmal, obwohl es in Istanbul sonst wenig Gründe gibt, die Augen zu schließen - es stimmt alles, was über die pralle Sinnlichkeit dieser Stadt gesagt wurde. Aber: "Man muss sich hüten, nur der Idylle zu verfallen", sagt Attila Dorsay, Nestor der türkischen Filmkritik. Er gehörte zu jener Gruppe, die hier Anfang der 80er-Jahre das Internationale Filmfestival aufbaute, das jetzt zum 23. Mal stattfand.

<P>Es hat einen guten Ruf und zählt inzwischen zu den wichtigen der Welt. Über 200 Filme wurden gezeigt. Besonderes Augenmerk gilt seit jeher Werken, die Schnittstellen von Orient und Okzident in den Blick nehmen und damit genau das repräsentieren, was auch Charakterzug Istanbuls selbst ist: eine Passage zwischen Ost und West, Islam und Christentum, Europa und Asien. Dies alles findet man in "L'esquive" vom Algerienfranzosen Abdellatif Kechiche, der einen der drei Hauptpreise und den Kritikerpreis gewann. Eine Gruppe von Jugendlichen lebt in den Pariser Vorstädten. Sie kommen aus islamischen Familien. In der Schule probt die Lehrerin mit ihnen Marivaux' virtuoses "Spiel von Liebe und Zufall". Das Stück wird zum Katalysator eigener Gefühle. Weit entfernt vom Sozialpamphlet zeigt Kechiches Film Charaktere aus Fleisch und Blut und eine Vorstadt, die nie verniedlicht wird, in der es aber noch anderes gibt als nur Drogen, Verbrechen, Kulturkonflikte . . .</P><P>Modernität und Tradition<BR><BR>Nur gut 20 Filme werden jährlich in der Türkei produziert, zwölf davon liefen im nationalen Wettbewerb. Hier erhielt man Einblick in unterschiedliche Filmsprachen wie auch in einige Probleme eines Landes, das zwischen Modernität und Tradition zerrissen ist. Sex ist hier längst kein Tabu mehr, und Kopftücher sieht man in den Filmen so wenig wie auf der Straße. Das türkische Kino erlebt zurzeit einen deutlichen Aufschwung. Indizien hierfür sind Nuri Bilge Ceylans "Uzak", der erste türkische Film, der seit 1982 im Wettbewerb von Cannes lief und prompt den Jurypreis gewann, sowie der "Goldene Bär" für Fatih Akins "Gegen die Wand", der in Istanbul so selbstverständlich gefeiert wurde wie bei uns.<BR><BR>Beide Streifen stehen exemplarisch für die zwei Richtungen des türkischen Films: einerseits avanciertes, international gefeiertes Kunstkino mit Hang zu Manierismus und exotischen Klischees, andererseits intelligentes Populärkino, das Klischees ironisch einsetzt. Für die erste Tendenz steht "Warten auf die Wolken" von Yesim Ustaoglu, deren "Reise zur Sonne" 1999 auf der Berlinale lief. Ein komplexes, meditatives Drama über eine Bäuerin, die in eine Lebenskrise gerät und ihrer Herkunft nachspürt. "Was ist menschlich . . .?" von Reha Erdem ist hingegen eine poetische Komödie, die geschickt mit den Posen der türkischen Machos spielt.<BR><BR>Auch politisch schwimmt sich das türkische Kino zunehmend frei. Das bewiesen besonders die Dokumentationen. In diesem Jahr zeigte man, passend zum Referendum, gleich drei Filme über Zypern: Einer davon war Rüstem Batus "Welches Zypern?" Ein bewegendes und überraschendes Porträt einer Gesellschaft, in der die Politiker offenbar Hardliner sind, die Jugend aber trotz Teilung zusammenhält.<BR><BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

 NSU-Morde in Schwarz-Weiß - Dokumentarfilm im Kino
Die Mordserie des NSU hat Deutschland erschüttert. Nun neigt sich der Prozess gegen die mutmaßliche Mittäterin Beate Zschäpe dem Ende zu. An die Morde, an die …
 NSU-Morde in Schwarz-Weiß - Dokumentarfilm im Kino

Kommentare